Vergewaltigungsmotive
Hi tilaka & Chili,
als Ergänzung meiner allzu kurzen Antwort unten:
…damit kann sie bestimmt richtig viel anfangen.
nun ja, zunächst war es nur die direkte Antwort der Frage entsprechend.
Darf der Leser eventuell auch erfahren, was für Motive das sind?
Es handelt sich dabei um ein derart umfangreiches und komplexes Thema, daß es einfacher ist, zunächst einmal negativ zu sagen: Es geht dabei nicht um schlichtes Ausagieren eines sexuellen Drucks (wie es Jule ja bereits angedeutet hat). Etwa von der Art „Geh ich in den Puff? Ach nein, ich steh eher auf irgendeine Nicht-Professionelle. Außerdem kostet das dann nichts“.
Sexuelle Begierde steht in der Regel nicht im Vordergrund, sondern die Gewalt, genauer, die gewaltsame Ermächtigung über das Opfer, bei dem folglich die Nicht-Einwilligung zum Sex vorausgesetzt ist. Es gibt Beispiele, wo die paradoxe Reaktion eines Opfers in einer nicht abwehrenden, sondern auffordernden Art („Komm, nun mach schon!“) den Täter abschreckte. Leider ist das kein immer funktionierendes Rezept. Es kann den Täter auch - eben um den Gewaltcharakter in der Szene aufrecht zu erhalten - seine Aggression noch verstärken, so daß es zu einer noch größeren Katastrophe eskaliert.
Das obige „in der Regel“ sagt aber schon, daß das auch nicht immer so zutrifft wie oben. Sehr oft verbeißt sich ein Täter in einen wohlbestimmten Frauentypus, an dem sich ein lange biografisch vorentwickeltes Szenarium an Gewaltphantasien ausagieren will. Und wenn er dann eine dem Prototyp entsprechende Frau sichtet, beobachtet er sie und kalkuliert sich eine günstige Gelegenheit aus. Dies paßt eher zu einem Wiederholungstäter.
Anders ist es, wenn ein Mann sich in eine ganz bestimmte Frau verbeißt, die sich ihm aber verweigert oder bei der er sich aus sozialen Ängsten keine Chance ausrechnet, also mißlungene Ausprägung eines Männlichkeitswahns - oder die ihn verletzend hat abblitzen lassen, also Rache (und hier kann sich die Reihe von „oders“ beliebig fortsetzen). Dann kommt ein Mangel an Frustrationstoleranz hinzu und eine fehlende kognitive Kontrolle sozialkompatiblen Verhaltens - und dann nimmt die Gewaltphantasie ihren ungehemmten Lauf.
Ganz anders wiederum sind Vergewaltigungen in einem Kriegsszenarium verankert, oder etwa in einem Bandenwesen, wo es manchmal zum Initiationritual gehört.
Wenn man unter den zahllosen möglichen Szenarien nach einer Gemeinsamkeit sucht, wird es schwierig. Es ist jedoch immer ein Wechselspiel zwischen der Ermächtigungsphantasie (aus sehr unterschiedlichen Gründen wiederum) und der Sexualität, die das Mittel der Realisierung ist. Eine Art von Machtaustausch ist jedoch in jeder Sexualtiät zu finden. Ist dabei dann irgendetwas biografisch bedingt fehlgeleitet, spielt das insbesondere z.B. eine bedeutende Rolle bei psychisch bedingter Erektionsstörung, bei Libidomangel (auch bei Asexualität) oder bei Ejaculatio praecox. Manchmal sind Vergewaltigungsphantasien ein unbewußter Versuch, ein solches Problem zu bewältigen („Kompensation“).
Aber wie oben angedeutet, ist auch das nur eins von vielen psychischen Szenarien.
Vielleicht genügt dir das fürs erste zur beantwortung deiner Frage?
Gruß
Metapher