Spannende Frage 
Hätte Russland Belarus nur mit Waffen versorgt, wäre der Angriffskrieg nach ca. 2 ¾ beendet gewesen. Wie hier schon erwähnt, umfasst die gesamte belarussische Armee nur ca. 63.000 Mann. Davon entfällt aber nur ca. die Hälfte auf das Heer und die Luftwaffe, da Lukaschenko nach innen einen massiven Sicherheitsapparat benötigt. Es bleiben dann also noch ca. 16.000 für das Heer, was in etwa drei ukrainischen Brigaden entspricht. Zum Vergleich: Die ukrainische Armee verfügt über mehr als 60 Infanteriebrigaden.
Bei der Luftwaffe ein ähnliches Bild. Belarus verfügt über 33 Abfangjäger vom Typ MiG-29. Die Ukraine hat jetzt nach zwei Jahren Krieg noch immer über 80 Stück.
Fazit: Belarus bräuchte massive personelle Unterstützung durch Russland um auch nur den Hauch einer Chance zu haben.
Schauen wir uns mal die größten Unterschiede an:
Geographie
Die Grenze zwischen der Ukraine und Belarus ist 1084 km lang. Jene zwischen der Ukraine und Russland mit ca. 2300 km (ohne die Krim) mehr als doppelt so lang. Die Invasion sah nach ca. 1 Monat dann so aus:
Die Ukraine musste bei der Verteidigung einen Schwerpunkt setzen und hat vor allem im Norden Widerstand geleistet. Dadurch konnte Russland im Süden und Osten relativ große Gebietsgewinne erzielen. Dabei folgte die russische Armee besonders dem gut ausgebauten Straßennetz.
Zwischen Belarus und der Ukraine schaut es dann so aus:
Hier gibt es nur zwei größere Straßen: Ganz im Osten nach Tschernihiw und ganz im Westen nach Kowel. Dazwischen gibt es nur kleinere Straßen, die eine Versorgung sehr erschweren. Die russische Armee musste das auch feststellen, als sie versuchten, westlich des Dnjepr auf Kiev vorzustoßen:
Die Grenze zwischen Belarus und der Ukraine ist stark bewaldet, was das Ganze zusätzlich erschwert.
Nachschub
Schon Napoleon wusste: Eine Armee marschiert auf ihrem Magen. Und das gilt bei einer modernen Armee umso mehr. Die russische Armee ist auf die Versorgung mittels Schienen angewiesen und auch da gibt’s in Belarus Probleme:
Nahezu der gesamte russische Nachschub müsste über Minsk laufen und es gibt im Süden fast nur einspurige Gleise. Es ist imho unmöglich, auf diesem Weg eine ausreichend große Armee zu versorgen.
Politik
Belarus hat weder nukleare Waffen noch wirtschaftliche Relevanz. Dementsprechend gäbe es hier keine vergleichbaren Hemmungen im Westen, die Ukraine zu unterstützen. Im Gegenteil würde man es als willkommene Gelegenheit sehen, Lukaschenko zu schwächen (im besten Fall stürzen), was wiederum Russland weiter isolieren würde. Mit westlicher Unterstützung kann es eigentlich keinen Zweifel geben, wie dieser Krieg ausgehen würde.
Dazu kommt noch, dass die Ukraine vom ersten Tag an Ziele in Belarus angreifen würde, denn auch hier gäbe es keine nennenswerte Hemmungen. Somit könnten Nachschublinien, Brücken und Truppenkonzentrationen nach Belieben angegriffen werden.
Kurzfassung: Ein Angriff von Belarus auf die Ukraine wäre ein kurzweiliges Unterfangen gewesen, mit dessen Ende vermutlich auch das Ende Lukaschenkos verknüpft ist. Es gibt schon einen Grund, wieso Minsk auch nach zwei Jahren Krieg noch immer die Füße still hält.