Äpfel ohne Kerne gezüchtet?

Liebe WWW-Kameraden,

vor einiger Zeit kauften wir ein Säckchen Äpfel, Sorte Braeburn.
Als ich diese Äpfel ausschnitt, entdeckte ich etwas Merkwürdiges: Die Äpfel hatten zwar Kerngehäuse, jedoch kaum Kerne!
Mir ist bekannt, dass man vielen Früchten inzwischen die Kerne wegezüchtet hat (z. B. Bananen oder Trauben). Aber bei Äpfeln hatte ich das bisher noch nie erlebt.
Ist das ein Züchtungsergebnis oder war das nur Zufall? Es betraf jedoch nicht nur eine wenige Äpfel in diesem Säckchen, sondern praktisch alle.

Wenn Züchtungsergebnis, finde ich allerdings, dass die Kernlosigkeit praktisch kaum ein Vorteil ist, denn die Kerngehäuse sind noch da; somit muss man auch diese Äpfel ausschneiden.

Danke für kundige Antworten!

Liebe Grüße
Dantis

Der größte Vorteil dürfte in der Unabhängigkeit von passendem Wetter während der Blüte und von Bestäuberinsekten bestehen, weil Bestäubung nicht mehr stattfindet.

Nachteil dürfte sein, dass die phytohormonelle Interaktion zwischen Kern und Frucht fehlt und dieser kleinere und möglicherweise schlechtere Früchte produziert. (Trauben werden mit ihnen dann sekundär gespitzt!) Bei „Minimangos“ aber zum Beispiel sind unbefruchtete Früchte nicht schlechter, nur kleiner, sie schmecken unvergleichlich gut.
Es ist ein weites Feld:


Ich esse das Kerngehäuse von Äpfeln immer mit…

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Vielen Dank! Da die Links schon etwas älter sind, müsste die Züchtung heute schon etwas weiter sein …

Ich dachte bisher, dass aus einer nicht befruchteten Blüte niemals ein Apfel werden kann. Aber heutzutage ist ja offenbar alles möglich :face_with_raised_eyebrow:

Servus,

Braeburn ist kein kernloser Apfel.

Braeburn ist ein 1952 als Zufallssämling aus Cox Orange und Lady Hamilton in Neuseeland entdeckter Apfel, eine bemerkenswert stabile Sorte - da Kulturapfelsorten, wenn einmal definiert, nicht mehr weiter züchterisch bearbeitet werden, sondern ausschließlich vegetativ vermehrt werden, unterliegen sie durch „Alterung“ (= Zufallsmutationen) des genetischen Materials einem mehr oder weniger schnellen Schwinden ihrer Sorteneigenschaften. Vielleicht erinnerst Du Dich noch an Alkmene? Eine sehr gelungene Neuzüchtung, aber im Vergleich zu solchen Klassikern wie Golden Delicious, Jonathan, Boskoop etc. extrem unstabil und schnell wieder vom Markt verschwunden.

Durch seinen Säuregehalt ist Braeburn ein guter Lagerapfel. Eigentlich relativ großfrüchtig, d.h. wenn er in „Säckchen“ (vermutlich für 1,79 € / kg oder sowas) rausgehauen wird, ist das vermutlich Folge der Unsitte, Lageräpfel unreif zu ernten und dann umso länger im Lager liegen lassen zu können: Da waren die Kerne dann schlicht noch nicht ausgebildet.

Noch ein kleiner Abschwiff am Ende: Es gibt eine einzige Kulturapfelsorte, die samenecht ist, d.h. aus Samen können Bäumchen nachgezogen werden, die wieder die gleichen Eigenschaften haben. Das ist Cox Orange.

Schöne Grüße

MM

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Danke, Aprilfisch, für die Hinweise.
Kann schon sein, dass die Äpfel unreif geerntet und dann bis zur Reife gelagert wurden. Ich hätte dann allerdings erwartet, dass man zumindest unausgereifte, helle Kerne in den Kerngehäusen entdeckt hätte. Aber es waren höchstens einige winzig kleine, dunkle Kerne in Mohnsamengröße zu sehen.
Liebe Grüße
Dantis

Servus,

mit „unreif“ meinte ich „noch vollkommen unterentwickelt“. Die Färbung der Kerne ist schlicht Teil des Reifevorgangs, der bei Lagersorten auch im Lager stattfinden kann. Wachsen, wo nichts ist, kann dort aber nichts, wenn man die Äpfel zu unsinniger Zeit vom Baum reißt, nur um sie möglichst lange im Lager herumzerren zu können. Dazu gehören dann auch viel zu kleine Äpfel, unterentwickeltes Kerngehäuse und fehlende Aromen.

Schöne Grüße

MM

Es wäre möglich, dass die Äpfel wegen ungünstiger Wetterbedingungen während der Blüte unzureichend bestäubt wurden, die Fruchtbildung mit Phytohormonen aber gefördert wurde vom Bauern.
Tatsächlich bilden sich Kerne recht früh in der Fruchtentwicklung und fehlende Kerne deuten nicht auf unreife Ernten, sondern auf fehlende Bestäubung hin.

Es handelt sich wahrscheinlich um ein Züchtungsergebnis, da einige Apfelsorten gezielt ohne oder mit nur wenigen Kernen gezüchtet werden, um das Essvergnügen zu erleichtern. Dies ist jedoch bei Apfelsorten wie Braeburn eher untypisch und könnte auf eine Mutation oder auf eine ungewöhnliche Charge dieser Sorte hinweisen. Der Vorteil solcher Sorten liegt in der praktischen Handhabung, besonders für Menschen, die keine Kerne mögen. Allerdings ist es auch richtig, dass das Fehlen von Kernen das Entfernen des Kerngehäuses nicht erspart.

(1) Benenne eine einzige Apfelsorte, bei der dies der Fall ist.
(2) Beschreibe konkret, mit welchen züchterischen Maßnahmen oder Eingriffen sich dies erreichen lässt.

Wenn Du die Antwort auf mindestens einen der beiden Punkte schuldig bleiben solltest, empfehle ich:
Viel Vergnügen weiterhin mit Deinem kinschdlichen Depp, aber halt Dich raus, wenn Erwachsene sich unterhalten.