Hi Michael
Bin zwar kein Lehrer aber ein ähnliches System haben zu meiner Schulzeit, die ja nicht lang her ist, zwei Lehrer durchgezogen. Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich, weil es verschiedene Gründe für plötzlich auftretende Schülerseuchen (so nannten wir das ) gibt.
a) Faulheit oder Nervösität die Arbeit jetzt nicht zu schaffen, also pocht man auf die Nachschreibeklausur. Das ist natürlich blöd, wenn dann keine stattfindet… teilweise wurde diese Methode aber sogar von Lehrern angeboten, wenn jemand z.B. lange krank war aber vor der Klausur wieder gesund, musste er ja eigentlich nachschreiben. Einige Lehrer haben dann empfohlen doch gleich an dem Tag fortzubleiben und lieber nachzuschreiben…
Die Methode gar nicht nachzuschreiben und ein Referat anzubieten wirkt sich auf Gruppe
b) aus. Die Frage ist, was den Schülern liegt, das ist ganz unterschiedlich, die einen hassen Referate und kommen zur Klausur, andere finden Referate besser und plötzlich fehlen viel mehr als gewöhnlich und der Lehrer steht vor dem riesigen Problem plötzlich 12 Referate in seinen Unterricht einbauen zu müssen (ist in der 12. Klasse mal passiert).
Das Referate teilweise wesentlich beliebter sind liegt an Grund
c): Prüfungsangst. Daran leiden immer mehr Kinder und Jugendliche, was teilweise auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Schon in der Schule werden Schüler unter Druck gesetzt, viele sind sich bewusst dass der Arbeitsmarkt scheiße ist und stehen schon in der Schule voller Sorge um ihre Zukunft. Damit wird jede Klausur zum Selbstbeweis und die Angst wächst.
Prüfungsangst kann sich divers äußern, einige schalten einfach ab und lassens schleifen weil sie in eine Art Arbeitsstarre fallen, andere brechen einfach vor Angst zusammen und trauen sich nicht zur Klausur oder denken, es sei ohnehin sinnlos und machen esdann ähnlich wie in Punkt a).
Beim Referat hat man den Vorteil, dass man viel Privat, zu Hause, und mit wesentlich mehr Zeit als 90 Minuten oder weniger arbeiten kann.
In sofern habe ich folgende Argumente für und gegen diese Methode erlebt:
Pro:
- Die intensive Arbeit am Referat stellt eine intensive Beschäftigung mit dem Stoff dar, ein Referat stellt weniger eine Wiederholung als eine selbstständige Arbeit dar und führt zu einem besseren Lernerfolg, der allerdings auf das bearbeitete Gebiet beschränkt ist.
- Schüler, welche die Klausur wegen Faulheit verpennen werden „bestraft“
- es werden auch Präsentationstechniken geübt die im Normalunterricht zu kurz kommen
- die Prüfungsangst wird etwas gelöst. Etwas denn auch wenn man vor der Klasse stehen muss kann man sehr nervös werden…
Contra:
- es wird keine so große Stoffmenge abgefragt, Spezialisierung auf ein Gebiet ist nicht immer förderlich, am Ende fehlt was…
- dem Problem Prüfungsangst wird nicht aktiv begegnet.
- Der Lehrer hat das Problem die Referatsthemen evtl. für viele Personen zu stellen und in seinen Unterricht einzubauen und dabei flexibel zu bleiben da auch dort Krankheitsfälle, echte oder unechte, auftreten können.
- Es kann passieren dass auch Referate vollkommen schleifen gelassen werden oder einfach die Fähigkeiten nicht entsprechend da sind (je nachdem um welche Klasse es geht und ob sie Erfahrung mit Referaten hat).
- Wird vorher nicht angekündigt, dass keine Nachprüfung stattfindet, könnten die Schüler mit Tomaten werfen
Kurz gesagt, es kann gut gehen, es kann auch ein Desaster werden, da musst du entscheiden, wie gut du deine Schüler kennst und was du ihnen zutraust. Für viele Schüler kann diese Methode eine Chance sein, aber du musst auch damit rechnen, dass sie aktiv ausgenutzt wird.
lg
Kate
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