Europäische Mystiker
Hi Fabeon,
Kann mir jemand erklären, warum es im 16. Jahrhundert so einen
irren Boom an Mystikern in ganz Europa gegeben hat?
Rückfrage: Was bedeutet für Dich denn Mystik?
Ich stelle diese Frage aus dem Grund, da die „Mystik“ (und die „deutsche“ im Besonderen) in den letzen Jahren und Jahrzehnten durch die verschiedensten Arbeiten gegenüber dem üblichen Sprachgebrauch um- und weiter-definiert wurde.
Was mir dazu einfällt, ist der Buchdruck zur weiten
Verbreitung der verschiedenen Erfahrungen und Lehren, aber das
erklärt ja nicht die unterschiedlichen Visionen und Strömungen
und erst recht nicht die enorme Zahl an
religiösen/spirituellen Lehrern und „Erleuchteten“.
Da trügt lediglich der Schein, da die meisten „Mystiker“ vor dem 16. Jh. für ein breites Publikum schlechter ediert, übersetzt und kommentiert sind.
Hat jemand Literaturtipps, die diese Entwicklung beleuchten?
Alles was ich finde, sind allgemeine Biographien oder
Primärtexte der Mystiker, aber nichts Mentalitäts- oder
Gesellschaftsgeschichtliches.
Für die Mystik: Grundsätzlich ist alles aus der Bochumer Schule von Kurt Flasch zu empfehlen: B. Mojsisch, Loris Sturlese, Theo Kobusch etc.
Für die Schulbildung (Dominikanische Mystik etc.) ist Maarten Hoenen zur Zeit der Spezialist überhaupt.
Exemplarisch - auch für die Entwicklung der Sichtweise der Historiographie - dürfte Kurt Flaschs letztes Buch über Meister Eckhart und die Geburt der ‚Deutschen Mystik‘ sein: ISBN:3406541828 Buch anschauen
Mein zweiter Tipp wäre dann Tugendhaupts Egozentrizität und Mystik, ISBN:3406550347 Buch anschauen. Da Tugendhaupt kein Philosophiehistoriker im strengen Sinne ist, geht es ihm mehr um grössere Stränger der Ideenentwicklung.
Noch ein Hinweis: Mystik ist seit der New Age Bewegung ein Verkaufsschlager und daher immer gefragt. Da bekommt schnell mal ein Text das Etikett ‚Mystik‘ angehängt um die Verkäufe zu sichern. Das was der allgemeine Sprachgebrauch Mystik nennt, muss innerhalb der Ideengeschichte und der Universitätsgeschichte (sic!) verstanden werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass man Bewegungen erfindet, für die es keine historischen oder textuellen Belege gibt.
Liebe Grüsse
Y.-