Hat man schon herausgefunden, wie es zur Herausbildung von Flügeln gekommen ist? Das Erklärungsdilemma besteht doch darin, dass ein Tier, das evolutionär Flügel entwickelt, eine Zeitlang überlebenstechnisch stark behindert gewesen sein muss, weil die über viele Generationen entstehenden Flügel zunächst nicht flugfähig waren. Bis zur Herausbildung einsatzfähiger Flügel wäre das Tier wegen mangelnder Verwendbarkeit seiner vorderen Gliedmaßen also ausgestorben. Trotzdem gab und gibt es fliegende Tiere. ´Über Nacht´ kann die Herausbildung von Flügeln aber nicht geschehen sein.
Also, so mysteriös finde ich das nicht. Der T-Rex hat doch allein schon keine ordentlichen Vordergliedmaßen, da sind sorgsam anlegbare Flügel mit Sicherheit nicht hinderlicher. Außerdem kann ich mir so einige evolutiv sinnvolle Verwendungszwecke für Flügel vorstellen:
Höhere Wendigkeit beim Sprinten, z.B. Kurvenlauf unter Gebrauch des Flügel-Luftwiderstands
Thermoregulation: Flügel können wärmend (angelegt) sowie auch kühlend („Luft zufächern“) eingesetzt werden
Heutige Tiere (Bären, Berglöwen, …) lassen sich durch Demonstration von Größe oft abschrecken (z.B. Arme ausstrecken, Kind auf die Schultern setzen, …). Flügel können ebenfalls erschreckend eingesetzt werden.
Flügel können als Projektionsfläche dienen für die farbliche Lockung sexueller Partner - bei farbsichtigen Spezies wie es Reptilien und Vögel großteils sind.
Natürlich ist die reale Entwicklung der Flügel bzw. deren Grund nicht einfach zu beweisen, aber ich vermute die beteiligten Wissenschaftler überbetonen angesichts meiner reinen Ad-Hoc-Spekulationen das „Mysterium“ der Flügel etwas - umso spannender machen sie damit ihr Forschungsgebiet.
Nein, das hat man bisher nicht herausgefunden - es ist noch nicht mal geklärt, ob es mit den ersten flügelähnlichen Gliedern eher „schneller auf den Baum rauf“ oder „leichter vom Baum runter“ gehen sollte.
Ganz sicher sind flugunfähige oder -unlustige Vögel (die es ja immer noch gibt) nicht behindert und Tiere, die leicht flattern können oder auch nur gleiten schlagen sich zwar auch mit unförmig erscheinenden Flughäuten (Flughörnchen, Flugechse zb) herum, aber das doch schon seit ein paar Jährchen ganz erfolgreich.
Die Evolution wählt nicht und ist nicht zielgerichtet, sondern sie passiert - und es ist ihr vollkommen egal, ob etwas umständlich oder riskant ist oder ob etwas erfolgreich ist oder nicht.
Und echte Flügel bei Wirbeltieren haben sich immerhin mindestens dreimal entwickelt (Vögel, Flugsaurier, Fledermäuse) - immer aus den vorderen Extremitäten, und jedesmal Mal äusserst erfolgreich - sooo schlecht kann das Modell also gar nicht sein.
Im Gebirge hatten auch auch unperfekte Flügel schon große Vorteile, sowohl bei der Aufwärts- als auch der Abwärtsbewegung. Dasselbe gilt für die Parallelentwicklung zu leichterem Körperbau.
Aber mit dieser Frage geht es wie mit so vielen Fragen in der Evolutionstheorie, das ist bei weitem nicht die einzige ungeklärte Frage. Es gibt schon ne ganze Menge Untersuchungen, auch im Hinblick auf die Flugentstehung, aber letztenendes sind alle nur kleine Puzzleteile der ganzen Erklärung. Wirklich dabei war in den meisten Fällen ja niemand und die unterschiedlichen Einflüsse der verschiedenen Evolutionsfaktoren sind auch nicht so bis auf die letzte Genauigkeit bestimmbar.
Als Beispiel möchte ich nur mal vor Augen führen, daß ja bei jedem „Evolutionserfolg“ trotzdem „primitivere“ Arten erhalten geblieben sind. (Nebenbei bemerkt, sollte man auch nicht von „hochentwickelt“ oder „primitiv“ sprechen; denn letztenendes sind alle Arten in Bezug auf die Erfordernisse ihres Lebensraums mehr oder minder optimal angepasst; man kann eigentlich nur ohne eine Wertung der Merkmale vorzunehmen, von ursprünglichen und abgeleiteten Merkmalen reden.) Beispielsweise dient natürlich das Gift von Giftschlangen dem Nahrungserwerb sowie der Verteidigung. Man ist also geneigt, zu sagen, daß das Gift sich entwickelt hat (aus Speichel) um Vorteile gegenüber den anderen Arten zu erhalten. Sicherlich ist das einer der Hauptgründe, und hier in diesem Fall findet man auch kein der Entwicklung negativ gegenüber stehendes Faktum um zu sagen daß die Entwicklung sich in den Ausgangsstadien nicht erklären ließe, jedoch spielen einfach zu viele Faktoren mit eine Rolle, als daß das die einzige Erklärung wäre. Man braucht sich doch nur mal zu fragen, warum es bei anderen Schlangen denn nicht erforderlich war, das Gift zu entwickeln. Schon erkennt man, daß außer dem verheerenden Wirkmechanismus des Giftes auch noch andere Faktoren eine Rolle zu spielen scheinen.
Da irrst du ein bißchen. Ein Dilemma ist das zunächst einmal nicht. Nur kann man sich noch nicht so genau erklären, warum die Anfangsstadien der Flügel entstanden sind. Außerdem solange sie nicht einen negativen Aspekt haben, solange spricht nichts dagegen, daß sie vielleicht trotzdem entwickelt worden sind. Und daß die Flügel in den Anfangsstadien eine starke Behinderung darstellten, das siehst du da falsch.
Eben nicht richtig, siehe oben und der Post von Wizzy.
Richtig.
Hat keiner behauptet oder angenommen.
Ich fände diesen Weg gar nicht so riskant und umständlich.
Und um noch eine weitere Option den möglichen Thesen hinzuzufügen, warum denn die Ausgangszustände der Flügel entwickelt worden sein könnten:
Möglicherweise waren Federn ursprünglich nur eine Form der Ausscheidung bestimmter Aminosäuren oder Bestandteile des Vogelstoffwechsels. Diese These hat der bekannte Ornithologe und Evolutionsbiologe J.H.Reichholf aufgestellt. Demnach seien andere Funktionen wie Temperaturdämmung oder eben Flugfähigkeit nur sekundär.
Hoffe, es einigermaßen verständlich ausgedrückt zu haben.
Gruß
Peter