Fellfarbe von Säugetieren eingeschränkt - warum?

Hallo,

ich kenne kein grün getarntes Säugetier - alle Fellfarben, die mir geläufig sind, variieren von Weiß über div. Brauntöne (incl. Gelbbraun und Rotbraun) bis Schwarz.
Kräftige bunte Farben, wie bei den meisten Nichtsäugern möglich, kommen nicht vor.
Woran liegt das? Grün oder grüngefleckt wäre doch in Urwäldern oder auf Wiesen eine gute Tarnfarbe, die von anderen Lebewesen ja auch gern genutzt wird.
Hat Säugetierfell einfach nicht die nötigen Pigmente, kann sie nicht einlagern oder können Säugetiere aus anderen Gründen solche kräftigen Farben nicht produzieren?
Wundert mich einfach, dass Vögel, Amphibien, Echsen, Fische, Weichtiere und Insekten kunterbunt sein können, nur Säugetiere nicht.

Gruß, Paran

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https://www.google.de/search?q=mandrill&biw=1366&bih=605&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwirrKGn_fDKAhXsE5oKHYJTBYUQ_AUIBigB

Hallo.

Die Frage ist einfach falsch gestellt. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man etwa fragen: „Warum benutzen Löwen keine Jagdgewehre zur Antilopenjagd?“

Es hat sich einfach nicht ergeben. Evolution ist Zufall, Mutation, meistens negativ, selten genug positiv, wobei dann zur positiven Veränderung auch noch der selektive Vorteil kommen und sich wirksam gegen die Stammform, die ja stets in der Überzahl ist, durchsetzen muss.

Vor etlichen Jahren traten hier in der Gegend recht viele Amseln auf, die, warum auch immer weiße Federn, mal mehr, mal weniger, richtige weiße Flecken hatten. Sie vermehrten sich sogar, über etliche Generationen hinweg. Heute sind sie wieder alle verschwunden, was ich bedaure, aber die Stammform hat sich eben einfach wieder durch gesetzt. Sie waren hübsch, aber einen selektiven Vorteil, wie ihn etwa die Elster hat, hatten sie eben nicht.

Und andere Farben waren halt nicht „drin“ im Fell des Ursäugetieres. Es reicht anscheinend. Gelegentlich sind allerdings Faultiere grünlich getarnt, weil sie sich Algen im Pelz wachsen lassen.
https://www.google.de/search?q=faultier&biw=1366&bih=605&source=lnms&tbm=isch&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwi73d2FhPHKAhVmQpoKHZ9-DWcQ_AUIBigB

Was man bei solchen Überlegungen noch berücksichtigen muss, ist das, was ich, mangels eines besseren Ausdrucks, mal Supereffekt nennen möchte: Eine Tierart, die mittels einer oder mehreren Mutationen so erfolgreich wird, dass sie sich selbst sämtliche Ressourcen weg frisst und sich damit dann selbst ausrottet.

Das hat es in der Vergangenheit mehrfach gegeben.

Aber das beste Beispiel der Gegenwart ist natürlich Homo sapiens!

Gruß, Nemo.

Moin @Nemo!

>> Säugetiere mit merkwürdig bunter Haut <<

>> Säugetiere, die sich so langsam bewegen, dass Pflanzen auf ihnen wachsen <<

>> Säugetiere mit GRÜNEM FELL <<

Gruß Oberberger :wink:

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Säugetiere mit grünem Fell.

Hallo.

Sofern weiblich sind das die einzigen „Grünen“, die mir sympathisch sind.

Gruß, Nemo.

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Gute Frage. Die Antwort von Nemo überzeugt mich nicht. Säugetiere existieren schon seit 60 Mio Jahren. Da hätte sich auch eine seltene Mutation durchsetzen können, zumal der Tarneffekt in der entsprechenden Umgebung ein erheblicher Vorteil sein sollte. Die Antwort scheint mir eher in der Biochemie des Keratins zu liegen, Strukturfarben haben Säugetiere jedenfalls nicht entwickelt.
Udo Becker

Hallo paran,

jetzt, wo du’ sagst, fällt mir das auch auf. Hab noch mal im PORTMANN (*) nachgelesen. Demnach kommen in der Haut und in den Haaren der Säugetiere außer Melaninen keine Pigmente vor. Und damit lassen sich halt nur Schwarz und verschiedene Grau-, Braun- oder Rotbrauntöne erzeugen. In der Haut der wechselwarmen Wirbeltiere und im Federkleid der Vögel kommen neben Melaninen auch rote und gelbe Pigmente sowie Blau als Strukturfarbe vor.

Zur Erklärung kann man natürlich evolutionsbiologisch spekulieren, dass die Information zur Erzeugung anderer Farben irgendwann verloren gegangen ist und sich dann eben als nicht lebensnotwendig herausgestellt hat. Man kann sich im grünen Regenwald vor Fressfeinden schützen, indem man selbst grün aussieht. Man kann aber auch einfach tiefer ins Gebüsch kriechen oder schneller sein als die Fressfeinde.

Der Schweizer Zoologe Adolf Portmann hat sich als Forscher, Lehrer und Autor intensiv mit der Tiergestalt befasst und diese nie ausschließlich unter funktionellen Aspekten art- und lebenserhaltender Zweckmäßigkeit sondern in erster Linie als Selbstdarstellung einer besonderen Innerlichkeit gesehen, die insbesondere den Wirbeltieren eine ausgeprägte Weltbeziehung ermöglicht. Er war damit unter Kollegen nicht unumstritten.

Man könnte also vielleicht sagen, die warmblütigen Säugetiere wollen nicht in grellen Farben daherkommen sondern in warmen Kuschelfarben.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Hier sind insbesondere Vertreter unserer eigenen Spezies zu nennen.

FG myrtillus


(*) Adolf Portmann: Einführung in die vergleichende Morphologie der Wirbeltiere. 6. Aufl. Basel/Stuttgart 1983

Hi,

eine allerliebste Vorstellung!

FG myrtillus

Hi,

diese Blaubacken kamen mir schon immer fremdartig und irgendwie künstlich vor.

sie haben kein Geld für die Munition.

FG myrtillus

Fehlt hier was? Kann nicht verstehen, was ihr redet!

Glaube, der MOD hat was von @Nemo gelöscht?

Gruß Oberberger

Hi,

diesmal nicht. Es geht um den Anfang von Nemos Antwort ganz oben.

FG myrtillus

Und woher hat der Mandrill dann sein wunderschönes Blau?

Nemo.

Vorsicht! Mandrills sind teilweise blau! (Sexuelle Selektion.)

Säugetierhaare haben teilweise besondere Strukturen. (Eisbär, Faultier)

Farben können auch über die Nahrung aufgenommen und eingebaut werden.

Gruß, Nemo.

Eine sehr naive Frage, von jemand, der die Evolution leider noch lange nicht verstanden hat. :sleepy:

Wenn die Löwen grün wären, dann wäre die nächste Frage nämlich, warum die Antilopen nicht grün sind, damit die Löwen sie nicht so gut sehen können. Auf die Art lassen sich mit dem unnützen menschlichen Hirn tausend und eine Frage erzeugen und noch einmal soviel und davon das Tausendfache.

Es gibt Fische, die auf Bäume klettern, warum kann die Forelle das nicht? Warum haben Elefanten keine Hörner und Büffel keine Stoßzähne? Und warum können Schweine nicht fliegen? Usw. usf.

Die Antwort ist immer, dass Evolution immer zufällig und niemals zielgerichtet ist!

Nemo.

Jetzt hab’ ich’s gefunden :blush:

Das brauchst Du mir nicht zu sagen. Dennoch gibt es grundlegende Bauprinzipien, die bestimmte Lösungen nicht zulassen. Ich tippe dann mal, dass der Mandrill vielleicht doch Strukturfarben entwickeln konnte und dass die Antilope kein grünes Fell hat, weil sie sonst in der Trockenzeit von Elephanten gefressen wird.
Udo Becker

Servus,

Jede theoretische Anpassung/Adaption (in diesem Fall grüne Fellfarbe als Tarnung) bringt auch Nachteile mit sich. Letztendlich muss der Nutzen und die Kosten einer Anpassung abgewogen werden. Meine Vermutung: Die Produktion von (grünen) Pigmenten kostet viel Energie, zu viel Energie um den Nutzen (Tarnung) zu rechtfertigen.
Bei Vögeln und auch beispielsweise beim Mandrill, sind die bunten Federn bzw. Hautstellen/Fell das Ergebnis sexueller Selektion. In diesen Fällen wird gezielt Energie vergeudet und damit auf die „guten Gene“ des Trägers hingewiesen. Dieses Phänomen wird als Handicap-Prinzip bezeichnet. https://de.wikipedia.org/wiki/Handicap-Prinzip