Hallo!
„Alles dreht sich um mich!“ - *juchhuuu, ich krieg 'n
Nobelpreis: ich hab die Mitte des Universums entdeckt…*
Irgendwie entgeht mir, was da jetzt für eine Erkenntnis drin
stecken soll…
Ja, ich weiß, das klingt zunächst blöd. Stell Dir einfach alle Galaxien mal als Globusse vor. Die drehen sich (wenn man auf den Nordpol schaut) alle links rum. Wenn nun die Rotationsrichtung aller Globusse zufällig verteilt ist (wovon man einfach mal ausgeht), sollte man in alle Richtungen gleich viele Nord- und Südpole sehen.
Wenn man nun mehr Nordpole als Südpole sieht, dann bedeutet das, dass alle Globusse ihre Drehachse irgendwie relativ zur Erde ausgerichtet haben. Was auch möglich ist: Wenn man in der einen Richtung nur Nordpole und in der entgegengesetzten Richtung nur Südpole sieht, dann bedeutet das, dass alle Drehachsen genau parallel ausgerichtet sind.
Beides ist zunächst nicht zu erwarten, denn es gibt keine plausible astrophysikalische Erklärung dafür, warum das so sein sollte. Umgekehrt: Wenn man eine Verteilung feststellen sollte, die von einer zufälligen Gleichverteilung abweicht, dann würde das auf eine bisher noch nicht entdeckte Asymmetrie (oder besser: Anisotropie) des Universums hindeuten.
Ist es nicht ein Charakteristikum des Zufalls, daß eben keine
gleichmäßige Verteilung von links- und rechtsdrehenden Milchsäurenstraßen gibt? Also mehr von der einen oder :anderen
Drehrichtung zu erwarten ist?
Im Gegenteil: Das Gesetz der großen Zahlen besagt, dass wenn man ein reines Zufallsexperiment nur oft genug durchführt, dann nähert sich langfristig der Mittelwert der Messwerte dem Erwartungswert an. Wenn das Universum isotrop (also: in alle Raumrichtungen gleich) aufgebaut ist - wovon wir bisher ausgehen - dann ist der Erwartungswert eben, dass alle Rotationsrichtungen gleich häufig auftreten.
Angeblich ist das nicht so. Zu diesem Schluss kommt zumindest
dieses Paper:
http://uk.arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/0803/0803.324…
tl;dr
naja, versucht hab ich’s schon, aber mein Englisch scheint nur
für Romane zu reichen; hab ich das richtig verstanden, daß die
da versucht haben, die bevorzugte Drehrichtung von Galaxien
über eine Umfrage zu ermitteln?
So ähnlich. Um eine verlässliche Aussage darüber zu haben, wie nun der prozentuale Anteil der Galaxien tatsächlich rechtsrum und linksrum ist, muss man eine sehr hohe Zahl von Beobachtungen auswerten (vgl. Gesetz der großen Zahlen). In dem Paper das ich verlinkt hatte von 2008 waren 36.000 Galaxien ausgewertet worden. In den neueren Daten von 2012 sind es schon über 120.000. Natürlich macht man das nicht einfach so nebenbei und was Bilderkennung anebtrifft ist das menschliche Auge immer noch besser als jeder Algorithmus. Deswegen hat man vielen, vielen Freiwilligen via Internet Bilder gezeigt und diese haben dann anhand der Aufnahmen entschieden, ob die Galaxien rechts- oder linksdrehend sind.
Michael