Genauer Unterschied zwischen Verben und Substantiven?

Was ist der genaue Unterschied zwischen Verben und Substantiven und gibt es Wörter die beides sind? Werden diese groß geschrieben, klein geschrieben oder ist es beliebig.

Beispiele: „Brüderlichkeit ist eine Tugend“, versus „Wir teilen alles brüderlich“, versus „Wir sind Brüder“. Ist das so weit richtig mit groß und klein?

Ein noch kniffeligeres Beispiel: „Peter singt gerne“, „Beim Singen hat Peter große Freude“, „Peter liebt es zu Singen“.

„Vor dem Training (aber vor dem trainieren) esse ich nichts schweres?

Für mein Verständnis: Ist Deutsch nicht deine Muttersprache, oder hast du in der Grundschule gefehlt, als die Wortarten durchgenommen wurden?

Natürlich ist es nicht beliebig. Verben werden (außer am Satzanfang) klein geschrieben und Substantive groß. Es gibt aber eben auch substantivierte Verben oder Adjektive (Adjektive werden normalerweise klein geschrieben), und die werden wiederum groß geschrieben.

Ja.

Überhaupt nicht.

ist falsch, „singen“ ist dort ein Verb und wird klein geschrieben.

Auch falsch, das ist ein substantiviertes Verb und wird deshalb groß geschrieben.

Schweres wird dort groß geschrieben, siehe auch im Duden unter 4. a):


Das ist in diesem Zusammenhang ein substantiviertes Adjektiv.
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Danke für die Antwort. Deutsch ist nicht meine Muttersprache und Ich habe in der Schule manchmal nicht aufgepasst. :wink: :innocent:

Ich habe noch eine weitere Frage. Nehmen wir mal das Wort singen.

Ich bin ein Sänger (Warum eigentlich nicht Singer? Warum Springer aber Sänger und nicht Singer) - Substantiv
Ich liebe das Singen (Substantiv).
Ich liebe zu singen („Verb“ sagtest du)
Ich möchte das Singen
Ich möchte Singen oder singen

Ist ein Verb immer zeitlich gebunden? Beziehungsweise anders herum kann man schlussfolgern, dass es kein Verb ist, wenn es nicht zeitlich gebunden ist?

Können Verben eine Präposition, zum Beispiel Modal oder kausal haben? Ich glaube nicht.

Nehmen wir als Beispiele die zwei Sätze:
„Ich wurde wegen schlecht Singen getadelt“. Wegen was wurde ich getadelt? Schlecht Singen. Es ist also ein Substantiv und wird groß geschrieben???
„Arbeite bitte leise und ohne Singen“. Modal. Ohne was? Wieder ein Substantiv???

„Ich ging zum Singen“, aber „Ich ging Singen“ oder „Ich ging singen“? Auch eine interessante Frage.

„Ich ging zu dem Singen“ ist inkorrekt, stimmt’s? Aber warum?

Ich liebe Singen oder singen?

Da du fast fehlerfrei deutsch schreibst, ist diese Frage irgendwie merkwürdig. Oder ist deine Muttersprache eine solche, in der Verbformen und Substantive nicht morphologisch identifizierbar sind, sondern nur aus der Syntax oder gar nur aus dem Kontext: Inuit, Hopi, Tibetisch, Mandarin?

Die ziemlich durcheinandergewürfelten Fragen lassen jedoch vermuten, daß du eigenlich nur wissen willst, wie zu erkennen ist, ob der → Infinitiv eines Verbs ein Substantiv (also ein → „substantivierter Infinitiv“) ist oder nicht. Und ob er daher groß oder klein geschrieben wird.

Ein Infinitiv ist jedenfalls nicht als solcher bereits ein Substantiv. Es gibt Verben, die einen Infinitiv führen, vor allem Modalverben und bleiben, lassen:

„Ich möchte singen“
„Ich will schlafen“
„Ich kann morgen kommen“
„Er bleibt an der Ampel stehen“
„Sie lässt den Text korrigieren“
„Ich ging singen“

Und Infinitivkonstruktionen „zu + Infinitiv“:

„Das ist nicht zu erkennen“
„Hier gibt es nichts zu lachen“
„Du brachst heute nicht zu kommen“
„Es gibt heute nichts mehr zu tun“
„Peter liebt es zu singen“

Und Achtung! „zu“ ist hier keine Präposition!!

Am einfachsten ist ein substantivierter Inifinitiv zu erkennen, wenn er einen Artikel hat, wobei hier nur der sächliche Artikel in Frage kommt.

Das Lachen ist hier völlig unangebracht“
„Vor dem Trainieren esse ich nichts Schweres“

Auch Personalpronomen, Demonstrativpronomen und attributives Adjektiv macht einen Infinitiv zum Substantiv:

Dieses Kichern von dir geht mir auf den Keks“
Andauerndes Kritisieren von dir geht mir auf den Keks“
Dein Lachen ist immer wieder eine Freude“

Und nicht zu vergessen die kontrahierten Präpositionen „zum“, „beim“, „vom“, „im“ (da sie ja den Artikel „dem“ enthalten: „zum“ = „zu dem“):

„Mitten im Laufen sah er hinter sich und stolperte“
„Das ist nicht zum Lachen“
„Ihm war ganz schlecht vom Essen“
„Ich ging zum Singen“

Hier sind übrigens ausschließlich die kontrahierten Präpositionen möglich. "Es kann also nicht „im“ durch „in dem“, „vom“ durch „von dem“ usw. ersetzt werden! Warum das so ist, das zu erklären würde hier zu weit führen. Geschichte des Wortgebrauchs.

Die Beispiele:

haben aber nichts mit der „Verb“-Frage nichts zu tun. Es sind sog. Derivationen (Ableitungen):
Von „Bruder“ wird das Adjektiv „brüder-lich“ abgeleitet, durch Suffix „-lich“.
Von „brüder-lich“ ist dann das Substantiv „Brüder-lich-keit“ abgeleitet, durch weiteres Suffix „-keit“.

Ist auch ein ganz anderes Thema. Du hast gut beobachtet:
singen, sang, gesungen
springen, sprang, gesprungen
sind beides sog. „starke“ Verben, sogar von derselben Verbklasse.
„Springer“ und „Singer“ sind beide vom Präsens-Stamm „sing-“, „spring-“ abgeleitet. Im Laufe der Wortgebrauchsgeschichte hat sich aber das aus dem Präteritumsstamm „sang“ abgeleitete „Sänger“ durchgesetzt. Aber auch „Singer“ gibt es noch in „Meistersinger“, „Sternsinger“ …

Was meinst du mit „zeitlich gebunden“? Meinst du die Flexionsformen in den Tempora und Modi? Falls du mit „nicht zeitlich gebunden“ den Infinitiv meinst: Auch der ist eine Flexionsform, nur eben eine „infinite“, ebenso wie auch das Partizip „gesungen, gesprungen“. Alles andere siehe oben.

„Ich wurde wegen (schlechten) Singens getadelt“
„Ich wurde wegen des/meines (schlechten) Singens getadelt“

Ja, auch diese Präposition macht den Infinitiv zum Substantiv. Du erkennst es schon daran, daß er im Genitiv steht.

Gruß
Metapher

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Vielen Dank für die kompetenten Antworten erst mal. Genau, meine Frage geht in die Richtung wie man ein substantiviertes Verb von einem Substantiv treffsicher unterscheiden kann.

Dass „Katze“, „Haus“, „Meer“ und so weiter Substantive sind, das weiß ich natürlich. Dass „Brüderlichkeit“ nicht passt eigentlich auch. Kurz nachdem ich nicht mehr ändern konnte wurde mir das klar. „Was habe ich denn da geschrieben? Das ist doch nicht mal ein Verb“ dachte ich mir.

Danke für deine sehr ausführlichen Information. Vieles wird mir jetzt klar.

Ich habe noch zwei weitere Fragen leider.

Nehmen wir das Beispiel. „Peterchen lernte gestern zu laufen“ (mit zu wird immer klein geschrieben). Man könnte auch sagen „Peterchen hat gestern das Laufen gelernt“, es heißt hingegen „Peterchen hat gestern laufen gelernt“ oder nicht? Eigentlich ist es aber doch das Laufen, was er lernte, warum klein geschrieben?

„Es ist notwendig, diesen Sachverhalt zu verstehen“, „Es ist notwendig das Verstehen diesen Sachverhaltes, „Es ist notwendig diesen Sachverhalt verstehen oder Verstehen“?

Eine weitergehende Frage: „Ich versuche, dieses Konzept umzusetzen“,
„Ich versuche die Umsetzung dieses Konzeptes“. Wann genau wird diese Form gebildet? Bei „gehen“ oder „singen“ ist das zum Beispiel nicht möglich. Bei verstehen wird es zu Verständnis statt Verstehung. Gibt es eine Regel?

Kann man auch sagen „Ich versuche das Umsetzen dieses Konzeptes“ und „Ich versuche ein Umsetzen dieses Konzeptes“?