Da du fast fehlerfrei deutsch schreibst, ist diese Frage irgendwie merkwürdig. Oder ist deine Muttersprache eine solche, in der Verbformen und Substantive nicht morphologisch identifizierbar sind, sondern nur aus der Syntax oder gar nur aus dem Kontext: Inuit, Hopi, Tibetisch, Mandarin?
Die ziemlich durcheinandergewürfelten Fragen lassen jedoch vermuten, daß du eigenlich nur wissen willst, wie zu erkennen ist, ob der → Infinitiv eines Verbs ein Substantiv (also ein → „substantivierter Infinitiv“) ist oder nicht. Und ob er daher groß oder klein geschrieben wird.
Ein Infinitiv ist jedenfalls nicht als solcher bereits ein Substantiv. Es gibt Verben, die einen Infinitiv führen, vor allem Modalverben und bleiben, lassen:
„Ich möchte singen“
„Ich will schlafen“
„Ich kann morgen kommen“
„Er bleibt an der Ampel stehen“
„Sie lässt den Text korrigieren“
„Ich ging singen“
Und Infinitivkonstruktionen „zu + Infinitiv“:
„Das ist nicht zu erkennen“
„Hier gibt es nichts zu lachen“
„Du brachst heute nicht zu kommen“
„Es gibt heute nichts mehr zu tun“
„Peter liebt es zu singen“
Und Achtung! „zu“ ist hier keine Präposition!!
Am einfachsten ist ein substantivierter Inifinitiv zu erkennen, wenn er einen Artikel hat, wobei hier nur der sächliche Artikel in Frage kommt.
„Das Lachen ist hier völlig unangebracht“
„Vor dem Trainieren esse ich nichts Schweres“
Auch Personalpronomen, Demonstrativpronomen und attributives Adjektiv macht einen Infinitiv zum Substantiv:
„Dieses Kichern von dir geht mir auf den Keks“
„Andauerndes Kritisieren von dir geht mir auf den Keks“
„Dein Lachen ist immer wieder eine Freude“
Und nicht zu vergessen die kontrahierten Präpositionen „zum“, „beim“, „vom“, „im“ (da sie ja den Artikel „dem“ enthalten: „zum“ = „zu dem“):
„Mitten im Laufen sah er hinter sich und stolperte“
„Das ist nicht zum Lachen“
„Ihm war ganz schlecht vom Essen“
„Ich ging zum Singen“
Hier sind übrigens ausschließlich die kontrahierten Präpositionen möglich. "Es kann also nicht „im“ durch „in dem“, „vom“ durch „von dem“ usw. ersetzt werden! Warum das so ist, das zu erklären würde hier zu weit führen. Geschichte des Wortgebrauchs.
Die Beispiele:
haben aber nichts mit der „Verb“-Frage nichts zu tun. Es sind sog. Derivationen (Ableitungen):
Von „Bruder“ wird das Adjektiv „brüder-lich“ abgeleitet, durch Suffix „-lich“.
Von „brüder-lich“ ist dann das Substantiv „Brüder-lich-keit“ abgeleitet, durch weiteres Suffix „-keit“.
Ist auch ein ganz anderes Thema. Du hast gut beobachtet:
singen, sang, gesungen
springen, sprang, gesprungen
sind beides sog. „starke“ Verben, sogar von derselben Verbklasse.
„Springer“ und „Singer“ sind beide vom Präsens-Stamm „sing-“, „spring-“ abgeleitet. Im Laufe der Wortgebrauchsgeschichte hat sich aber das aus dem Präteritumsstamm „sang“ abgeleitete „Sänger“ durchgesetzt. Aber auch „Singer“ gibt es noch in „Meistersinger“, „Sternsinger“ …
Was meinst du mit „zeitlich gebunden“? Meinst du die Flexionsformen in den Tempora und Modi? Falls du mit „nicht zeitlich gebunden“ den Infinitiv meinst: Auch der ist eine Flexionsform, nur eben eine „infinite“, ebenso wie auch das Partizip „gesungen, gesprungen“. Alles andere siehe oben.
„Ich wurde wegen (schlechten) Singens getadelt“
„Ich wurde wegen des/meines (schlechten) Singens getadelt“
Ja, auch diese Präposition macht den Infinitiv zum Substantiv. Du erkennst es schon daran, daß er im Genitiv steht.
Gruß
Metapher