Hallo,
Dein Beitrag spiel ein wenig auf die Determinismusdebatte an.
Nach den Vertretern dieser Theorie ist der Mensch tatsächlich nicht frei, da er lediglich einem von außen auf ihn einwirkenden Schema folgt.
Das bedeutet letztlich, dass er nicht in der Lage ist, überhaupt Entscheidungen zu treffen, da diese lediglich eine Reaktion auf die gesammelten Umwelteinflüsse und die entsprechende Reaktion seiner Psyche sind. Er glaubt zwar, zu entscheiden, tatsächlich folgt er aber einem programmierten Schema.
Verhaltensweisen und auch vermeintliche Entscheidungen sind daher nichts anderes als das logische Produkt aus individueller Veranlageung, sozialen Erfahrungen durch Umwelt und Erziehung sowie Reaktionen auf konkrete äußere Einflüsse.
Diese Theorie wird seit einigen Jahren auch von der neueren Hirnforschung unterstützt (Roth hat hierzu einiges geschrieben), die zum Teil der Ansicht ist, dass das Gehirn eine reine Impulsbearbeitungmaschiene ist, jedoch, letztlich mit Verweis auf die Gesetze der Thermodynamik, davon ausgeht, dass für einen eigenen, eine menschliche Entscheidung generierenden Gehirnimpuls, kein Raum ist.
Das ist natürlich alles sehr umstritten, unter anderem mit Blick auf zwei Aspekte.
Einerseits möchte keiner so richtig akzeptieren, dass wir gänzlich oder jedenfalls überwiegend fremdgesteuert sind, da wir wollen und davon ausgehen, dass wir unser Verhalten selbst bestimmen und die Umwelt somit aktiv beeinflussen, nicht umgekehrt.
Auch die Rechtswissenschaft hat hiermit seit der großen Determinismusdebatte Anfang des 20. Jahrhunderts gewisse Probleme, insbesondere im Strafrecht bekommen.
Denn Ansatzpunkt ein jeder Strafe für eine Straftat ist das in § 46 StGB niedergeschriebene Schuldprinzip - ohne Schuld keine Strafe.
Schuld meint juristisch aber individuelle Vorwerfbarkeit, welche der BGH definiert als „die Tatsache, dass sich der Täter für das Unrecht und gegen das Recht entschieden hat, obwohl er sich hätte anders entscheiden können“.
Eine Erkenntnis, dass sich der Mensch gar nicht für eine Straftat entschieden hat, weil er ohnehin aufgrund der Gesamtheit der Einflüsse, welchen er bisher ausgesetzt war, nur so und nicht anders handeln konnte, würde dieses natürlich ad absurdum führen.
Hierzu ist auch schon in der Rechtsphilosophie viel geschrieben worden, man wird sehen, wie es sich entwickeln wird.
Gruß
Dea
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