Liebe Oma von ?,
ja, ich kann gut verstehen, in welcher Zwickmühle Sie sich befinden.
Ich will Ihnen keine guten Ratschläge erteilen, da ich Sie für so kompetent halte, das für Sie Richtige herauszufinden. Ich mag Ihnen ein paar Zusammenhänge deutlich machen, die es Ihnen ermöglichen können, weitere gute Schritte zu setzen.
- die Beziehung zwischen der Frau und Ihrem Sohn ist noch nicht geklärt. Dies ist die Sache Ihres Sohnes. Ihm würde ich empfehlen, diese Beziehung mit Hilfe eines Coachs zu klären (siehe unten). Nur wenn die Frau gewürdigt ist, hat er die Möglichkeit, eine neue GUTE Beziehung einzugehen.
- Das Kind hat Anrecht auf Vater und Mutter - egal was das JA sagt. Es ist das natürliche Recht auf Zugehörigkeit, das ihm niemand streitig machen kann.
- Aus dem gleichen Grund hat das Kind und auch Sie das Anrecht auf Großeltern bzw. Enkel.
- aus dem, was ich Ihrem Brief entnehmen kann, liegen in der Geschichte der Frau Verletzungen in Bezug auf Zugehörigkeit und Ordnung vor. Das können Sie nicht ändern, nur ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen. Doch die Frau spiegelt auch etwas aus Ihrer eigenen Geschichte. Sie bringt etwas ans Licht, das Sie selbst bisher nicht gesehen haben. Fragen, die Sie sich stellen können: Wo wurde in unserer Familie jemand ausgegrenzt oder vergessen? Da gilt es auch in Ihrer Generation nach Kriegsgeschichten zu suchen. Gibt es gefallene / vermisste Väter / Söhne? Gibt es Soldatenkinder, die ihren Vater nie gesehen haben? Das kann sowohl Ihre als auch die Familie Ihres Mannes betreffen. Falls ja, bestätigen Sie die Zugehörigkeit dieser Person/en gedanklich: Ja, du gehörst dazu. Ohne dich gäbe es mich nicht.
- Die Mutter des Kindes muss gewürdigt werden: Ohne sie hätten Sie dieses Enkelkind nicht. Auch sie gehört dazu. Durch die Verbindung mit Ihrem Sohn hat sie Zugehörigkeit in Ihre Familie bekommen. Und diese Zugehörigkeit besteht IMMER.
- Kreide fressen halte ich für die schlechteste Möglichkeit: Denn es besteht einfach die Gefahr, dass der Vulkan im Inneren weiter brodelt und dann irgendwann unkontrolliert ausbricht.
- Meine Empfehlung an Sie: Suchen Sie sich einen Coach, der mit Familienstellen arbeitet und bearbeiten Sie Ihre Verletzungen. Wenn Sie keinen Resonanzboden mehr bieten, hören die Anschuldigungen durch die Mutter Ihres Enkels von alleine auf bzw. Sie fühlen sich nicht mehr betroffen.
Ich hoffe, ich habe Ihnen einen Perspektivenwechsel ermöglicht und wünsche Ihnen von Herzen alles Gute
Chatt