Hallo Stefan!
Auf meiner Schule standen mit
dem Lernen der Sprache immer die
geschichtlichen Hintergründe im
Vordergrund. … Daher verdanke ich dem
Lateinunterricht mehr als jedem anderen
Fremdsprachenunterricht.
Hmmm. Ja, so macht mir das Sinn. Aber
kann ich davon ausgehen, dass
Lateinunterricht so ist? Ich fürchte
nein.
In dieser Hinsicht können sich Eltern ja erkundigen. 
Da würde ich jedoch auch sagen, lieber einen guten neusprachlichen Unterricht als einen schlechten Lateinunterricht, der einem jede Freude am Lernen nimmt.
Nun bin ich unter den
Doktoranden einer der jüngsten.
Jungsein ist für mich nicht direkt ein
Wert an sich. Aber was bedeutet das für
dich, einer der Jüngsten zu sein? Hat das
nicht Vorteile (neben dem großen Nachteil
eben noch nicht so viel Moos angesetzt zu
haben)?
Ich wollte damit nur ausdrücken, daß ich beileibe zeitlich in der Ausbildung nicht allzu sehr aufgehalten wurde… 
Thema andere romanische Sprache erlernen:
Dein Beispiel mit deiner Kommilitonin
kann mich noch nicht davon überzeugen,
dass es *leichter* ist von Latein aus.
Ich fand es damals (als ich es erlebte) sehr erstaunlich. Aber das hat nichts zu bedeuten.
Weiß daher auch gleich etwas über die
Geschichte des Fensters? 
Die Geschichte des Fensters ist in
Alt-Rom zu suchen???
)
Sicher geht das Fenster noch weiter zurück, die Römer haben es nur in ihrem Reich Publik gemacht. Neben der Pax romana eine weitere positive Errungenschaft im Gegensatz zu den ständigen Kriegen… 
Aber mensch muss einE guteR SchülerIn
sein, wenn mensch nicht wegen Latein
kleben bleiben will. Und das ist mein
Punkt: Ist es das Wert???
Wert ist es das auf jeden Fall. Du
scheinst ja unheimliche Angst zu haben,
daß Deine Tochter ein Mensch zweiter
Klasse wird, wenn sie sitzenbleibt.
Ich sehe das mit dem Durchfallen so: Es
gehört ebenso wie ein Beinbruch nicht zu
den Sachen die mensch unbedingt haben
sollte. Mensch kann auch an anderer
Stelle lernen, was Schmerzen sind.
Sicher, es bringt einen nicht um, aber es
gleich zu etwas Tollem hochzustilisieren,
geht mir zu weit.
Toll nicht, aber manchmal unausweichlich. Soweit ich weiß, bleiben einige andere Schüler anderer Fächer wegen sitzen. 
Aber
dies sind Erfahrungen, die einen Menschen
formen. Wenn man nicht an die Grenzen
seiner Leistungen gebracht wird, dann
weiß man auch nicht, wozu man fähig ist,
und kann sich folglich selbst nicht
richtig einschätzen.
Du meinst, wer nicht Latein lernt, lernt
nicht wie hart das Leben wirklich ist?
Nicht nicht, aber es ist eine von vielen Möglichkeiten.
Vielleicht etwas überspitzt gezeichnet,
aber das lese ich aus deinen Worten. Und
dem stimme ich ganz und gar üüüüüberhaupt
nicht den Deut einer Andeutung zu!
So überspitzt meinte ich das auch nicht.
Ich
glaube es gibt deutlich weisere Menschen
als Lateinlehrende (Moment: erst den Satz
fertig lesen!), die dazu befähigt sind,
einen an die eigenen Grenzen zu führen
(der alte Karate-Meister z. B.).
Stimmt. Auch meine Judo-Lehrer hatten ihren Anteil dabei. Allerdings auf anderer Ebene.
Daher empfinde ich es so, daß erst durch
die Wurzel des Lateinischen, zu der auch
das Griechische zählt, die europäische
Kultur(en) begriffe habe.
Aber um dieses Begreifen zu ermöglichen
muß man die Wurzeln kennen. Möchtest Du
diese Erfahrungen Deiner Tochter
vorenthalten?
Sicher nicht, ich will Sie nur nicht dazu
vergewaltigen.
Nicht,daß Du mich falsch verstehst, ich meine nicht, daß jeder Mensch um jeden Preis Latein lernen sollte. Das wichtigste ist, daß man das Kind nicht quält (gilt auch für jedes andere Fach in gewissem Maße - Musikinstrumente z.B.). Nur wenn Lateinunterricht in Erwägung gezogen wird, tendiere ich dazu, diesem den Vorzug zu geben.
Übrigens sind die Nobelpreise für
Deutsche Forscher seit der Abschaffung
der humanistischen Gymnasien
zurückgegangen. Das gibt mir schon Anlaß
zum Nachdenken…
Na ja, das sind halt Zusammenhänge aber
keine Kausalitäten. Die Geburtenrate in
Deutschland ist auch mit dem Rückgang der
Störche kleiner geworden…
Vielleicht hat diese Korrelation nichts zu bedeuten. Ich zähle jedoch Latein zur Grundlagenforschung. Aber in der Hinsicht bin ich als Naturwissenschaftler eher im angewandten Bereich des Lateinischen. 
Nochmal:
Wenn ich die Chance als hoch einschätzen
könnte, dass meiner Tochter Latein in
einer Art vermittelt wird, wie du das
erlebt hast, würde ich das eine ganze
Ecke anders sehen als so.
Ich wünsche auf jeden Fall Deiner Tochter viel Erfolg in ihrer weiteren Schullaufbahn (mit oder ohne Latein) und Dir und Deiner Frau ein glückliches Händchen bei der Entscheidung. Es handelt sich ja bereits um eine Laufbahnlenkung.
Mittlerweile
habe ich schon mit einer ganzen Reihe von
Menschen zu dem Thema gesprochen (ca.
30), unter anderem ja auch hier im Brett.
Was sich in meinen Augen wie ein roter
Faden durch alle pro-Latein Stimmen zu
ziehen scheint, ist: „Ich bin dankbar,
die harte Schule Latein durchlitten haben
zu dürfen. Deshalb liebe ich heute
Latein.“
Nein, das ist bei mir nicht so. Zwar es für mich nicht leicht, aber ich wollte von Anfang an Latein lernen.
Ich stelle mal eine gewagte These auf:
Es gibt doch bei Entführungsopfern einen
beschriebenen Effekt, dass sie unter
gewissen Bedingungen eine hohe
Wahrscheinlichkeit zeigen, sich mit den
Entführern zu solidarisieren. Wenn es da
tatsächlich was dazu gibt (werd ich
gleich mal danach forschen!).
So etwas gibt es. Allerdings war (zumindest bei mir) die Entscheidung, Latein zu lernen, vollkommen freiwillig. Das Helsinki Syndrom tritt ja aus einer ungewollten Beziehung heraus auf.
Ich hab das
aus zwei Actionfilmen: In die hard I,
wird der Effekt Helsinki-Syndrom genannt,
im neuen Bond Stockholm-Syndrom.
Sollte es diesen Effekt geben und die
emotionale Belastung im Lateinunterricht
an die Grenze gehen, die du beschreibst,
dann sollte die Vorhersage sein: Je mehr
die Menschen unter Latein leiden, desto
toller finden sie es. Da bleib ich dran,
das prüf ich nach!
Ich kenne auch einige ehemalige Mitschüler, die absolut keinen Spaß am Lateinunterricht hatten und vorzeitig die Schule verließen (nicht auf Grund der schlechten Noten!). Sie lieben Latein auch heute nicht. Also halte ich eine solche Korrelation auch für sehr gewagt.
Also der gegenwärtige Stand ist 70:30
gegen Latein. Und zwar wirklich so. Nicht
für Französisch, sondern gegen Latein.
Aus reinem Interesse der Statistik usw.: Wieviele ehemalige Lateinschüler sind unter den Gegnern und unter den Befürwortern?
Grüße,
Thomas