Multiplizität von Sternen, Doppelsterne
Moin,
Das stimmt zwar, aber das 1. Keplersche Gesetz lautet:
„Planeten bewegen sich auf Ellipsenbahnen, in deren einem
Brennpunkt sich die Sonne befindet.“
Also: Ellipse ja, Kepler-Ellipse jein. 
Wenn man Keplers Wort nimmt, hast Du recht. Aber in der Astrophysik wird mit keplersch i.A. heutzutage die Bewegung um’s Massenzentrum bezeichnet. Sonst könnten extrasolare Körper niemals keplersche Bewegungen durchführen.
Das Gute(?) liegt so nah, und es gibt unzählbar viele
Mehrfachsysteme, z.B. Alpha Centauri A,B und proxima, Sirius
ist vierfach und τCMa ist gar fünffach. Wenn man ein
wenig guckt, gibt’s vermutlich sogar noch größere System,
wenn’s auch dann sehr unwahrscheinlich wird. Es handelt sich
in solchen Fällen aber meist um System, wo zwei relativ eng
gebundene Sterne von einem fernen Begleiter umkreist werden
(oder sich zwei enge Systeme umkreisen o.ä.), aber nicht alle
solche Systeme sind auch im klassischen Sinne stabil.
Man lernt nie aus. Weißt Du zufällig, ob es eine Statistik
gibt:
Einzelsterne : Doppelsterne : Dreifachsterne : …? Wäre
interessant. Stimmst Du mir wenigstens insofern zu, dass ein
Sternensystem umso unwahrscheinlicher ist, je mehr Sterne
daran beteiligt sind?
Wieder ein klares „Jain“. Es kommt darauf an wie alt die Sterne sind und ob man Sterne oder Systeme zählt. Am häufigsten sind bei jungen Sternen, so die mir bekannte Lehrmeinung, Sterne in Doppelsternsystemen (etwa 70% habe ich im Kopf), erst danach kommen Einzelsterne und danach in absteigender Häufigkeit Mehrfachsysteme.
http://www.edpsciences.org/articles/aa/abs/2005/32/a… )
Werden die Systeme älter, so nimmt die Multiplizität ab wegen der dynamischen Entwicklung (Auswurf einzelner Komponenten).
Eine Suche bei http://nstars.arc.nasa.gov lieferte mir für den gut nachweisbaren Bereich bis 10pc ein Verhältnis von 165 Einzelsterne zu 68 Mehrfachsysteme (N>1), davon 50 Doppelsternsysteme. Im Skript, welches wir hier in BS verwenden, lehren wir, daß 59% der Sterne (nicht Systeme!) in Doppelsternen in der Sonnenumgebung befinden: http://rzv048.rz.tu-bs.de/lehre/skripten/SkriptAstro… (S. 39 ff)
Die Frage ist, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für existierenden Mehrfachsysteme tatsächlich ist. Die Statistik ist natürlich nur so gut wie die Beobachtung, die natürlich nur so gut ist wie sie auch optisch
(oder sonstwie) diese Komponenten nachweisen kann - und da ist’s nicht schön, daß die leuchtschwächsten, kleinsten Objekte am häufigsten sind. Bis ~20pc sollte man trotzdem die meisten Sterne sehen können, ausgenommen wieder die aller schwächsten, die schon eher in die Kategorie „Brauner Zwerg“ fallen.
Zusammenfassung:
Einzelsternsysteme mögen knapp die relative Mehrheit stellen, und dann gefolgt in absteigender Reihenfolge die Mehrfachsysteme, wobei insbesondere zweifach noch relativ häufig vorkommt. Betrachtet man die Anzahl der Sterne, so gewinnen diejenigen in Doppelsternsystemen die Häufigkeitsstatistik.
Beste Grüße,
Ingo
der sich jetzt ein paar Übungsaufgaben zur galaktischen Entfernungsbestimmung und Struktur der Milchstraße ausdenken muß.