Hallo,
Daher frage ich mich welchen Mehrwert
Tupper bieten könnte.
Rechenbaren Mehrwert? Keinen.
Ich könnte mich immer beeumeln, wenn ich die Namen von dem übberteuerten Zeug höre. In unserem bekanntenkreis gibt´s wohl schon ein halbes dutzend Tuppertussen, die immer wieder versuchen, die gleiche potthäßlich Plastikdose an die Frau zu bringen, bei der nur die Farbe neu ist. Als Tischgeschirr rangiert es bei mir knapp über Plaste und Elaste aus der Täterää und leicht unter Autobahnraststätte in den 70ern - da esse ich lieber direkt aus dem Topf!
Spaßig war´s vor einigen Jahren beim Camoing (Moppedtruppe), als eine Bekannte stolz und freudestrahlend ihr superduper-ach-so-praktisches Campingbesteck („ist alles dran, schön platzsparend und es klappert nichts im Gepäck!“) rausholte. Meinen Kommentar, daß ich Plastikbesteck schon in der Pommesbude unterirdisch finde hat sie noch weggesteckt. Dann tunkte sie den Löffel in die frische Suppe - und der machte den Schlaffi. Glatt aufgeweicht und abgeknickt, offensichtlich war Tupper sogar zu blöde, den Erweichungspunkt ÜBER den Siedepunkt von Wasser zu legen.
„Macht nichts, da habe ich LEBENSLANGE Garantie, da kriege ich umgehend ein Neues!“ tönte sie noch.
Und verstummte, als ich kaltgrinsend das hier aus der Tasche zog:
http://picture.yatego.com/images/4bbda7f77d85b3.3/fe…
und sagte:
„18/8, BW einfach, mit Dosenöffner, klappert nicht, schmilzt nicht und braucht keine Garantie - ich habe JETZT einen Löffel, du erst in drei Wochen!“
Am Ende ist Tupper ein schweineteures Multilevelvertriebssystem für Plastiktzeug. Der Preis für das Geklapper dürfte sich aus 50% Vertriebskosten, 45% Marge und 5% Material zusammensetzen. Es funktioniert nur, weil man immer noch versucht, etwas wie Exclusivität zu verbreiten (dabei stehen die Tussen inzwischen auch in Einkaufscentern rum!). Und weil man den Käuferinnen so schöne Rabattangebote macht („Rabatt, Rabatt, das laß´ dir sagen, wird immer vorher draufgeschlagen!“). In Kombination mit dem Apple-Effekt (Ei-Schrottuser glauben auch, sie seien was ganz tolles in hippes) klappts ja auch.
Achja, nochwas aus den Weiten des webs:
Letzte Woche komme ich mal etwas früher von der Arbeit („Überraschung, Schatz!“)
und was finde ich vor?
Eine Gruppe von Mitdreissigerinnen hockt in meinem Wohnzimmer, leider alle angezogen, meine Herzdame mitten unter ihnen, und sie haben einen Halbkreis um eine Mittdreissigerin gezogen, die neben sich ein Körbchen mit Plastikartikeln stehen hat. Jede der Damen hat eine Kaffetasse unseres besten Geschirrs vor sich stehen, dazu unsere schweineteuren „Rosso-Bianco“-Gläser, sie knabbern MEINE Salzstängelchen und futtern MEINE Süßigkeiten und haben ob meines Eintretens einen erschrocken–gequälten Gesichtsausdruck.
Bis meine Frau die Worte als erstes findet:
„Hallo Schatz, das ist Frau Mesenkamp (sie deutet auf die Lady mit den Plastikteilen), wir machen heute unsere „Tupper“-Party.“
Ahja. Party. Ohne mich. Tupper. Verstehe.
„Hallo, Frau Mesenkamp“ grinse ich die etwas verlegene Dame an.
„Schön, sie kennenzulernen. Darf ich mich dazu setzen?“
Alle Mädels öffnen den Mund, um „Nein“ zu sagen, aber ich bin schneller und sitze am Tisch, bevor eines der anwesenden Hühner reagieren kann.
„Na, dann mal los!“ ermuntere ich Frau Mesenkamp.
Die hat einen verlegenen Gesichtsausdruck, lächelt schamhaft und gibt jeder der anwesenden Hauskauffrauen ein Plastikschüsselchen mit Deckel.
Ich kriege auch eines und stelle es vor mich hin.
„Das ist zum Frischhalten von Lebensmitteln“ erklärt Frau Mesenkamp bei der Ausgabe. „Alles, was sie da rein füllen, wird bei Druck auf den Deckel luftdicht verschlossen. So können sie Hühnersalat bis zu einer Woche frisch aufbewahren.“
„Oh, ahja“ echot die Damenriege und macht die Deckelchen auf die Schüsselchen und im Nu ist die Luft erfüllt mit poppenden Geräuschen, als die hühnersalatleeren Plastikteilchen verschlossen und wieder geöffnet, wieder verschlossen und wieder geöffnet werden.
Ich lasse meine Hühnersalatschüssel zu und trommle ein wenig auf dem Deckel herum.
Die Sitzgruppe hingegen kann nicht genug vom Schüsselchen auf und zumachen bekommen.
„Praktisch“ meint meine Frau.
„Ohja“ gibt ihr Frau Mesenkamp Recht.„Tupperware ist die erste Firma, die diesen luftdichten Verschluss entwickelt hat und ist heute noch Marktführer auf dem Segment.“
Nun, bisher habe ich in noch keiner Börsenzeitschrift Kursnotierungen zum Segment „luftdichte Essensaufbewahrungsplastikschälchen“ gefunden, aber ich will ja Frau Mesenkamp nicht widersprechen.
„Guck mal, Schatz“, jubelt meine Frau „praktisch, oder?“.
„Sie können Ihrem Mann da auch Essen ins Büro mitgeben“ springt Frau Mesenkamp bei, die wohl ahnt, was jetzt kommt…
Vorsichtshalber setzt sie noch ein „mein Mann macht das immer so“ hinzu…
„Man kann gut darauf trommeln“ grinse ich sardonisch „aber der Tag, an dem Du mir einen eine Woche alten Hühnersalat mit ins Büro gibst, wird der Tag unserer Scheidung sein.“
Ich wende mich Frau Mesenkamp zu: „Was soll dieses Wunderwerk malaysischer Spitzenkonservierungstechnologie denn kosten?“
Das Poppen mit den Deckelchen hat aufgehört. Die Damen schauen mich teils fragend, teils feindselig an. Preisfragen stellen. Bei so einem Spitzenprodukt. Wie kann ich nur…
Frau Mesenkamp, die meine Frage irrtümlich als Kaufsignal wertet, strahlt mich an wie ein Christbaum „bei Abnahme von 10 Stück kostet Sie eine Schüssel grade mal 2 Euro…“
Wie? 2 Euro, damit ich von einem eine Woche alten Hühnersalat keinen Durchfall kriege? Ich wiege die lauernd wartende Mesenkamp in Sicherheit:
„wie viel kostet eine Schüssel, wenn ich Ihnen 20 Stück abnehme?“
„Oh“ sagt das Mesenkamp, „da muß ich nachschauen“…
„Tun sie das“.
Und während die Herrin der Schüsselchen nach ihrer Rabattliste kramt, starren die Mammis ihre Gastgeberin mit einer Mischung aus Häme und Verachtung an. 20 Schüsselchen.
Meine Frau blitzt mich zornig an und tritt mir unter dem Tisch ans Schienbein.
Aber jetzt gibt es kein Zurück.
„Naja, Schatz, so oft, wie ich Reste essen muss…“
Hinten kichert die Mutter des besten Freundes meines Sohnes und meine Gattin wechselt die Gesichtsfarbe.
„Einseurofünfundsiebzich“ piept Frau Mesenkamp aus der Kreismitte, aber jetzt geht es nicht mehr um den Preis. Jetzt geht es um das Prestige meiner Lebenspartnerin als treusorgende Ehefrau.
„Wann hast Du je Reste essen müssen… ?“ zischt sie.
„Wann hat es bei uns je Hühnersalat gegeben, Du kannst doch gar keinen machen“ gebe ich trotzig zurück und beschließe, die Situation weiter eskalieren zu lassen mit dem Satz, den jede Ehefrau nach „Ich muß Dir was gestehen“ am meisten hasst:
„Meine Mutter, die konnte Hühnersalat machen, der war immer klasse.“
„Willst Du damit sagen, daß Dir mein Essen nicht schmeckt?“
Erneuter Gesichtsfarbwechsel.
„Naja, bei Dosenravioli kann man ja nicht viel falsch machen“ schlage ich zurück.
Allgemeines, verhaltenes Kirchern in der Runde. Nur Frau Mesenkamp schweigt und überlegt sich, wie sie die Situation entschärfen und ihre Töpfchen doch noch an Mann und Frau bringen könnte. Aber sie braucht zu lange!
"Mein lieber Mann, " die schneidende Stimme meint dabei das Gegenteil von „lieber Mann“, „ich racker mich von früh bis spät ab und mache jedes Essen frisch und das weißt Du auch!“
„Und warum willst Du dann Tuppertöpfchen zum Frischhalten kaufen? Du widersprichst Dir doch selbst, merkst Du das nicht?“
Frau Mesenkamp hat gespannt, wohin das führt. Nix mit Töpfchenverkauf in der Damenrunde. Schliesslich will sich keine als Resteverwerterin outen.
Sie startet einen letzten Versuch mit „man kann in den Schalen ja auch Kuchenteig anrühren“ aber ich blocke mit „meine Frau kann nur eines noch weniger gut als Hühnersalat und das ist Kuchenbacken.“
Das wars. Meine Frau springt auf, heult, knallt zuerst mir eine und dann die Zimmertüre zu und ist weg.
In die peinliche Stille geben die anwesenden Ladys, die mich mitterlweile für das größte Chauvischwein der Welt halten, ihre Töpfchen Frau Mesenkamp zurück, diese sackt flugs wie ein Eichhörnchen ihren Ramsch ein, alles verabschiedet sich mehr oder weniger murmelnd von mir, weil alle noch gaaaanz wichtige Termine haben, ziehen im Gänsemarsch zur Tür und weg sind sie. Frau Mesenkamp und ihre Partygirls.
Und ich klopfe mir auf die Schulter. Nichts bei Tupper gekauft!
Danach hat sich mein Verhältnis zu Tupper wieder etwas entspannt.
Na ja. Jedenfalls war es so, bis sich meine Frau zu dieser Tupperparty überreden ließ. „Was?? NIE. NIEMALS. Nicht hier.“
Irgendwie habe ich mich dann im Datum geirrt und zufällig für diesen Abend keinen Termin vereinbart. Jedenfalls saß ich absolut ahnungslos und für sie unpassend im Wohnzimmer. Die Nervosität meiner Frau führte ich auf das prämenstruale Syndrom zurück. Vielleicht war es auch das postmenstruale? Wer weiß schon so genau warum sich Frauen komisch benehmen. Aber in Wirklichkeit war es wegen mir. Weil ich ausgerechnet heute Abend zu Hause war.
Es klingelte und ich war vor ihr am Hörer der Sprechanlage. "Ja guten Abend. Ich komme von Tupper und heute… "
"Wir kaufen nichts. " Klack. Damit war mein Vorrat an Freundlichkeit erschöpft.
„Lass die Frau doch rein. Heute ist doch mein Tupperabend.“
„DEIN WAAAS??“
„Ich kauf ja auch nichts. Ich bin ja nur die Gastgeberin.
Nun sei doch still. Sie hört dich sonst.“ Sie drückte auf den Öffner.
Von solchen Veranstaltungen hatte ich ja schon gehört; aber dass meine Frau mir so was antun würde hätte ich nie gedacht. Aber wir hatten wirklich schon alles von Tupper.
Also eigentlich kein Anlass zur Sorge, dass sie noch mehr Blödsinn bestellen würde.
Die Tuppertante kam bereits etwas früher, weil sie ja noch die ganzen Sachen die Treppe herauf schleppen musste. Ob ich denn so freundlich sein könnte mit anzufassen, weil der Karton doch wirklich schwer wäre.
„Nöö.“ Sie sehen ich blieb höflich.
Zu zweit haben sie dann die Kiste hochgewuchtet. Immer so drei Stufen, dann wieder Pause. Nach fünf Minuten hatten sie es geschafft.
„Na also, geht doch!“ munterte ich die beiden dann an der letzten Stufe auf.
Ich helfe doch gern.
Dann wurden die Plastikteile auf dem Esszimmertisch und einem mitgebrachten Beistelltisch aufgebahrt wie religiöse Kultgegenstände. Hinzu kamen Getränke und was zu knabbern. Kurz darauf trafen dann auch die „Gäste“ ein: allesamt die Freundinnen meiner Frau die ich am wenigsten ausstehen konnte.
Die Lautstärke im Esszimmer schwoll dermaßen an, dass ich von den Nachrichten bei mir im Wohnzimmer nicht mehr viel verstand. Plötzlich: Ruhe. Dann erhob sich nur noch eine Stimme.
Durch die geschlossene Tür hindurch lauschte ich ein wenig. Interessant… ich lauschte etwas länger. Hmm, sehr interessant. Was ist bitte ein „Schlumpf“?? Kleine blaue Männchen mit weißen Mützchen??
Also schlich ich mich endlich in den dunklen Flur, vom dem aus man - ohne selbst gesehen zu werden - das Esszimmer überblicken konnte. Junge, Junge. Was es nicht alles gab:
9 Weiber und meine Frau (ja, ich habe es geändert, Schatzi) saßen wie die Kaninchen vor der Schlange. Egal was für einen Stuss die Tuppertussi redete: es war alles toll.
„Und hier haben wir die Eidgenossen: Gaaanz hervorragend geeignet für Gemüse und zur Aufbewahrung von Linsen oder Bohnen oder…“ - Kunstpause- „…Reis. In einer wunderschönen weißen Farbe mit blauen oder roten Deckeln.“
Zustimmendes Gemurmel. Eidgenossen hielt ich bisher immer für die Schweizer Ureinwohnerschaft. Tupper machte daraus eine Plastikschüssel mit Schüttvorrichtung.
„Und diese tollen Trinkbecher lassen sich“ -Kunstpause- „ineinander! STAPELN. Ist dass nicht praktisch?“ Zustimmendes Gemurmel.
Was für ein Scheiß. Unsere Plastikbecher vom ALDI ließen sich auch stapeln. Trotzdem machte sich meine Frau Notizen.
„Hier, meine Damen, haben wir ein gaaaanz praktisches Salatsieb. Wir nannten es „SALADIN“. Witzig, nicht wahr? Passend dazu die Schüssel in gleicher Farbe mit
" -Kunstpause-„Deckel. Ist dass nicht wunderbar. Und soooo praktisch. Und hier ist sogar ein Feld eingearbeitet um einen Aufkleber zur Beschriftung anzubringen.“
Zustimmendes Gemurmel mit einem kleinen Seufzer des Entzückens von einer der Damen. Als ob WIR keine Schüsseln mit Deckel hätten. Natürlich hatten wir Schüsseln mit Deckeln. Wir brauchen keine Schüsseln mit Deckeln. Zumindest nicht von Tupper. Meine Frau notierte sich schon wieder was.
„Und das muss ich Ihnen noch zeigen: Wir haben es „die kleine Schweizerin“ genannt: Ein Tortenheber mit Schneidkante an der Seite. Damit können Sie die Torte schneiden und heben. Erst schneiden, dann heben und“ -Kunstpause- servieren.“
Zustimmendes Gemurmel. Kleine Lautäußerungen des Entzückens. Alle stießen mit Sekt an.
Gott. Die erklärt das ja als hätte sie lauter Idioten vor sich, dachte ich mir noch.
Jede Torte kann man mit dem Tortenheber durchdrücken. So ein Blödsinn.
Meine Frau schrieb schon wieder was auf. Ich wurde misstrauisch.
Faszinierend waren die ganzen Bezeichnungen für das Plastikzeugs ja schon. Ich fragte mich wer sich den ganzen Tag lang die Namen ausdenkt. Oder haben die eine eigene Abteilung mit lauter Gestörten dafür? „Der „kleine Schlumpf“ ist ja gaaanz entzückend um dem Kind Getränke mit in den Kindergarten geben zu können.“ Zustimmendes Gemurmel. Mehrere kleine Lautäußerungen des Entzückens.
Der kleine Schlumpf bezeichnet einen 0,33 Ltr. Becher mit Drehverschluss. Und der 0,5 Ltr. Becher heißt… na, kommen Sie drauf? Richtig: "Der große Schlumpf ".
Eine schier unglaubliche schöpferische Leistung.
Und bekommt derjenige, welcher den dümmsten Namen gefunden hat dann Abends eine Tafel Schokolade zur Belohnung?
Meine philosophischen Überlegungen endeten mit den kleinen spitzen Schreien der Entzückung die eine der Damen ausstieß. Du liebe Zeit. Sie wird doch keinen multiplen Orgasmus wegen der Gurkenaufbewahrungsdose bekommen haben? Ein Albtraum: kleine feuchte Stellen auf meinen sündhaft teuren Esszimmerstühlen.
Und wieso notierte sich meine Frau schon wieder was?
Nach einer Stunde hatten wir folgende Artikel durch:
- "Wiener Walzer ": eine Tortenplatte. - „Laibwächter“: als Brotbox. - "Pfiffikus ": als Tortengitter. - „Rumpelstilzchen“: zwei kleine Becher.
Faszinierend waren auch die durchdachten Zwischenfragen der Damen (ja Schatzi - ich habe „blöde Kühe“ wieder gelöscht).
„Kann man denn in der Dose auch belegte Brote aufbewahren oder ist sie mehr nur so für die Wurst gedacht?“
Noch während ich nach dem tieferen Sinn der Frage forschte - es kann doch nicht ernsthaft eine erwachsene Frau eine andere fragen ob sie in einer Plastikdose statt Wurst auch Brote oder Käse aufbewahren kann, - kam auch schon die Antwort der Tuppertante :
„Sie könnten sogar“ -Kunstpause- "belegte Brote darin aufbewahren. Stellen sie sich nur mal vor, meine Damen: MEIN Mann öffnet seinen Aktenkoffer und findet darin
" -Kunstpause- „diese formschöne und farblich passende, graue Tupperdose „großer Buchhalter“. Was denken sie was ihm da durch den Kopf geht?“ Fragende Gesichter.
Ich kann’s dir sagen, dachte ich mir: entweder ne 7,65 mm Pistolenkugel weil er es nicht mehr aushalten kann mit dir, oder: "Wenn ich meine Frau, nachdem ich sie mit dem bleigefüllten „Großen Schlumpf " erschlagen habe, zerstückle, könnte ich den Kopf in die Salatschüssel SALADIN packen und den Rest auf unsere ca. 283 verschiedenen Tupperschüsseln verteilen. Und dann staple ich alles ordentlich beschriftet im Müllcontainer.“
Die Tuppertante erklärte es - völlig abweichend von der Realität - so:
"Hey. Meine Frau hat an mich gedacht. Die Gute. "
Zustimmendes Gemurmel. Leises, befriedigtes Stöhnen einer Dame.
So ging es noch eine Stunde weiter. Faszinierend. Am Schluss gab es so eine Art Gruppenhöhepunkt: die Bestellungen wurden abgegeben. Den hochroten Gesichtern nach hatten die Damen sich hier so richtig ausgetobt. Sie hatten sogar die unverkäuflichen Musterstücke unter sich aufgeteilt. Wenn die Tuppertante bereit war sogar diese zu verkaufen, musste die Bestellung exorbitant ausgefallen sein: im Klartext: einige Männer würden schwer Überstunden schieben müssen (ich auch) um das Loch in der Kasse wieder aufzufüllen. Vor meinem geistigen Auge tauchte mein Jahresurlaub in Form von Tupperschüsseln auf.
Die Tuppertante packte ihre restlichen Sachen zusammen in den großen Karton und begann sich zu verabschieden. Taktischer Fehler: sie würde den Karton vor sich am Bauch hertragen müssen und hatte dadurch ein eingeschränktes Blickfeld.
Jetzt wurde es Zeit für die Rache des kleinen Mannes: Ich schlich in den Hausgang und fand was ich suchte: das Skateboard unseres Sohnes! Es lag schon gefährlich nahe an der Treppe herum (im Geiste sah ich noch mal den Kontoauszug auf dem die private Haftpflichtversicherung abgebucht war). Ups, jetzt ist doch die Katze dagegen gestoßen und hat die Position etwas verändert. Den polternden Geräuschen in unserem Hausgang nach zu urteilen hat die Tuppertante es dann auch bemerkt.