Warum ist Mais in der Natur nicht alleine fortpflanzungsfähig?

Mais ist eine Züchtung aus Teosinte.
Nirgendwo wird erklärt, warum Mais als Kulturpflanze nicht mehr eigenständig fortpflanzungsfähig ist…

Es könnte sein, dass es genau wie bei (üblichen) Bananen, nur noch eine einzige Pflanze gibt, die immer wieder und wieder geklont wird.

Gruß Oberberger

Servus,

geklont werden weder Bananenstauden noch Mais. Der Unterschied zwischen beiden ist aber, dass ungefähr die Hälfte der Bananenpflanzen durch vegetative Vermehrung über Schösslinge von einer Ursprungs-Cavendish-Banane abstammen. Die Cavendish-Banane (und nicht die anderen Kulturformen) ist jungfernfrüchtig.

Sie ist triploid - Triploidie ist sehr häufig damit verbunden, dass über geschlechtliche Vermehrung keine Nachkommen entstehen können.

Bei Mais verhält es sich anders: Dort gibt es fast nur F1-Hybriden, die zwar fruchtbar sind und fruchtbare Nachkommen haben, aber bei denen die Nachkommen sehr wenig vital, ertragsschwach, anfällig und in ihren Eigenschaften unberechenbar sind. Das ist bei Hybridzuchten von Tieren und Pflanzen immer so: Die für die Vermehrung eingesetzten Inzuchtlinien sind sehr schwächlich, die Nachkommen der F1-Generation auch, und bei den in der Produktion eingesetzten F1-Hybriden wird der Heterosis-Effekt genutzt.

Schöne Grüße

MM

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Servus,

einmal wieder eine Frage, an deren Anfang eine verkehrte Hypothese steht.

Mais als Kulturpflanze ist selbstverständlich eigenständig fortpflanzungsfähig (wie man z.B. an der unproblematisch im eigenen Nachbau einsetzbaren Sorte „Bantam“ sehen kann), aber wie bei allen Hybridzüchtungen (die im gewerblichen Gemüsebau dominieren, u.a. weil sich damit bestimmte Resistenzen erzielen lassen, so dass man mit geringerem Aufwand an Pflanzenschutzmitteln auskommt) ist der eigene Nachbau schwächlich, wenig vital, anfällig und in den Eigenschaften unberechenbar.

Wenn man den Heterosis-Effekt bei Hybridzüchtungen nutzen möchte, ist der Preis dafür, dass die Hybriden eben nicht samenecht sind. You can’t have the cake and eat it.

Schöne Grüße

MM

Mal eine etwas andere Frage dazu: Gibt es denn eine sogenannte natürliche Maisart, die sich fortpflanzen kann? So wie sich das anhört, scheint das ja auf natürlichem Wege mit der Fortpflanzungsfähigkeit so eine Sache zu sein

Aha! ich dachte auch immer, dass Mais einfach nur bei uns nicht frostfest genug ist. Immerhin ist es ja eigentlich eine Tropenpflanze.

Hallo

in wikipedia wird gesagt, das Mais sich nicht fortpflanzen kann - ohne Beleg und nähere Erläuterung, was immer irgendwie verdächtig ist.
Tatsache ist allerdings, dass man selten nur verwilderten Mais sieht, auch in Regionen, in denen die Samen den Winter überstehen könnten.

Ich habe die Spur weiter verfolgt und bin auf englischsprachigen auf folgendes gestossen: Mais habe keinen Mechanismus, um seine durchaus keimfähigen Samen zu streuen.
Die Körner bleiben am Kolben in den Hüllblättern und der Kolben bleibt an der Pflanze bis diese verrottet - bis es soweit ist und der Stengel umfällt, sind die Samen längst vergammelt oder gefressen.
In der Regel haben Pflanzen mit diesem System verdauungsfeste Samen, die die Darmpassage überleben - nicht aber der Mais, die Körner werden verdaut - d.h. der Mensch muss bei Zuchtmais seit langem schon als Geburtshelfer fungieren.

Unter Vorbehalt, denn wissenschaftliche Quellen dazu habe ich noch keine entdeckt.

Viele Grüsse, Sama

Das klingt palusibel. Der Wildmais müsste auch wesentlich kleinere Samen haben, wenn ich hier nur mal an anderes Getreide denke.
Das selbe dürfte auch bei den üblichen Getreidearten der Fall sein, nur dass da die Samen abfallen könne, weil sie ja nciht umhüllt sind.
Wenn man übrigens nach Teosinte sucht, findet man den Wildmais schon und der hat extrem kleine Samen

Offenbar ist Mais eben nicht eigenständig fortpflanzungsfähig, sondern braucht den Eingriff des Menschen, sei es auch nur um die Körner vom Kolben zu lösen! Es geht hier nicht um irgendwelche Hybrid-Formen, sondern ganz allgemein um den Mais als 5000 Jahre alte Kulturpflanze!

Servus,

die Anpassung von Mais an verschiedenste Klimaten ist nicht zwingend mit der Hybridisierung verbunden; die Kleinwanzlebener Saatzucht KWS erzeugt Mais-Saatgut auch in Deutschland.

Schöne Grüße

MM

Servus,

„natürlichen“ Mais gibt es insofern nicht, als Mais wie unsere vorderasiatischen Getreidearten eine erst mit der Kultivierung entstandene Art ist. Vermutlich ist er durch züchterische Bearbeitung aus der Teosinte Euchlaena mexicana hervorgegangen.

Es gibt nicht-hybride samenechte Sorten; die relativ moderne Sorte Bantam habe ich schon erwähnt.

Bekannt ist außerdem die Liebhabersorte „Inka Rainbow“ mit bunten Körnern in teils bizarren Farbstellungen (z.B. schwarz-rot: Ich habe schon hier in der Kurpfalz Mais in altwürttembergischen Farben im Garten gehabt).

Schöne Grüße

MM

Ich habe letztes Jahr zwei Maiskörner aus einer der üblichen monotonen Maiskulturen in meinen Komposthaufen gesteckt und da sind 2 „normale“ Maispflanzen mit Kolben daraus geworden. Ob die Qualität und der Ertrag einem F1 Generationen Saatgut entsprach, weiß ich natürlich nicht. Aber prinzipiell ist Vermehrung auch bei uns möglich. Wenn die Maiskörner trocken sind, überstehen sie auch Frost. Im Badischen heißt Mais Welschkorn. Ist also irgendwann aus den Mittelmeerländern eingeführt worden.
Udo Becker

Servus,

nicht wenige Pflanzen benötigen für ihre Fortpflanzung andere Lebewesen, da ist Mais bei weitem nicht die einzige; diese wegen dieser Strategien als „nicht fortpflanzungsfähig“ zu bezeichnen, ist Rabulistik.

Schöne Grüße

MM

Hallo Sama,

was passiert eigentlich in der Heimat von Mais, wo es keine besonders ausgeprägten Jahreszeiten gibt, mit den Maiskörnern, die zu Boden fallen, wenn Maiskolben von den dort in vielen Spielarten vorkommenden Sittichen oder Papageien geplündert werden?

Zwar werden nur sehr wenige dunkel genug zu liegen kommen, dass sie keimen können, aber dass überhaupt keine Keimlinge von selbst auflaufen, kommt mir ziemlich unplausibel vor.

Schöne Grüße

MM

Hallo MM,
Habe ich Sie irgendwie beleidigt?
Dann bitte ich um Entschuldigung.

Sie unterstellen hier ständig etwas.
"Verkehrte Hypothese, „Rabulistik“.
Für mich war die Antwort von Sama wirklich genau das , was ich gesucht habe.

Wenn meine Frage so abwegig war, können Sie uns ja gerne aufkkären, welche anderen alten Kulturpflanzen denn noch den Eingriff des Menschen brauchen?
Dass es im Pflanzenreich teils komplizierte Strategien, wie z.B. bei der Paranuss gibt, ist völlig unbestritten.
Nur laufen diese ohne den Eingriff des Menschen ab.

Mit freundlichen Grüßen

Hier ein schöner link zu Teosinte

Was Domestikate betrifft, habe ich neulich ein Bild von einem Schaf in Australien gesehen, dass längere Zeit ohne geschoren zu werden der Wildnis überlebt hat . Das wäre ein ähnlicher Kandidat , wie unser Mais:

Hallo Martin

deshalb habe ich ja auch „selten“ und nicht „niemals“ geschrieben…

Die wenigen Körner die eventuell keimen ergeben ein paar wenige Pflanzen - viel zu wenig um sich ordentlich zu befruchten und üppige Kolben zu ergeben - ein paar wenige Körner gibt das nur (damit habe ich mich letzten Herbst gezwungenermassen befasst, nachdem meine Maisernte aus zwei Kolben bestand - einer mit etwa 30 Körnern, einer mit einem einzigen Korn).
Damit kann kein überlebensfähiger Bestand nachwachsen - Mais verwildert nicht.

Gruss, Sama