Was wissen Tote?

ich suche jemanden, der
sich auskennt, wie die Kirche offiziell darüber denkt. Ich
wollte keine Meinungsumfrage starten

Hallo Uli
Ich habe eine objektive Antwort direkt auf Deine Frage gegeben.
Sie ist direkt unter Deiner Anfrage nachzulesen.
Ich denke, die hilft Dir ein wenig weiter

Gruss Heiner

Hi Metapher,

ich habe geschrieben: daß es im Kath. eine „Anbetung“ von Heiligen nicht gibt.
Nicht mal im Brauchtum.

Mit diesen hermeneutischen Feinheitern hätte die frommen Weiber, kaum etwas anfangen können. Von der guten Josefine wusste ich nur, dass man gewisse Heilige als Boten für den HERRN brauchen kann. Eine angenehme Vorstellung ist, sich den Himmel altbayrisch vorzustellen – wie bei Herrn von Kobells: die Geschichte vom Brandner Kaspar. Auch die Geschichte „vom Münchner im Himmel“ macht auch Mut, nach dem ewigen Leben zu streben. Bei den Evangelen geht’s eh viel nüchterner zu. Wie man bei denen die Zeit der Eternity rumkriegen soll, ist mir eh schleierhaft.
Alexander

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zum Wortgebrauch ‚ad-orare‘, ‚an-beten‘
Hi Hannes,

Es handelt sich immer um das alte Missverständnis: als wäre mit „jemand an-beten“ sowas gemeint wie „jemand an-reden“.

So sehe ich es auch.
Es ist jedoch auch verständlich, daß jemandem, der über die Interna nichts weiß, und dem dieses kultische Verhalten völlig fremd ist, dieser Unterschied nicht nachvollziehbar ist. Man fragt sich nur, warum es so schwer ist, wenigstens zu begreifen, DASS es einen Unterschied gibt. Der Götzendienst-Vorwurf ist ja nicht erst mit dem Protestantismus aufgekommen.

Man müsste den Begriff mal - ein für allemal - klarstellen: „zu jemand beten“ versus „anbeten“ (wohl die buchstabengetreue Wiedergabe von „adorare“).

Eine Sichtung der zugehörigen Ausdrücke ist wirklich recht interessant. Denn von allen scheint das lat. „_ vov eo_“ und „de- vov eo“ (von dem sich die „devotio“ ableitet), entsprechend dem verwandten griech. „_ euch omai_“, das einzige Wort zu sein, das von der Bedeutung her allein einem Gott gilt.

Lat. „_ or are_“ und „ad- or are“, ebenfalls verwandt mit griech. „_ ara omai_“ ist zwar ursprünglich als „(einen Gott) flehentlich anrufen“ verstanden, kann sich aber ebenso auf andere Respektspersonen beziehen (den Kaiser z.b.). In diesem Sinne hat es dann auch den Aspekt „verehren“.

Zusätzlich übersetzt die Vulgata das griech. „pros-kynein“ (z.B. in Joh. 4.24 „Geist ist Gott, und die ihn Anbetenden sollen ihn in Geist und Wahrheit anbeten“) mit „adorare“. „proskynein“ („vor jmd. knien“) gilt aber ebenfalls nicht nur einem Gott.

Genauso verhält es sich mit dem griech. „latreia“, „Anbetung“, die ausschließlich dem Gott gilt, und „douleia“, „Verehrung“, die anderen nichtgöttlichen Wesen gilt: Beide Wörter bedeuten ursprünglich „Dienst“, und genauer „Sklavendienst“. doulos ist „Sklave“ und „latreia“ heißt u.a. „Sklavin“.

Soweit ich sehe, wird in allen Religionen, die Götter haben und außerdem noch andere Wesen, denen Verehrung gilt, zwischen beiden Handlungen unterschieden. Die zugehörigen Wörter aber sind nicht etymologisch, sondern nur im Kontext bzw. per definitionem eindeutig.

Gruß
Metapher

Hallo,
die nächste und in der Begegnung mit Frömmigkeit entscheidende Frage wäre dann, ob dem Betenden diese philologischen oder terminologischen Unterschiede bei seinem Tun klar und von Bedeutung sind.
Da können einem schon manchmal Zweifel kommen.

Gruß
Werner

Hallo!

Zusätzlich übersetzt die Vulgata das griech.
pros-kynein“ (z.B. in Joh. 4.24 „Geist ist
Gott, und die ihn Anbetenden sollen ihn in Geist und Wahrheit
anbeten“) mit „adorare“.
proskynein“ („vor jmd. knien“) gilt aber
ebenfalls nicht nur einem Gott.

Da kynein küssen heißt, dürfte es sich bei pros-kynein/hin-küssen eigentlich um die Geste des Zuwerfens eines Kusses, also um die Kusshand, handeln. Dann kam das Küssen des Bodens hinzu - verlangt z. B. von der Etikette beim Zugang zum Perserkönig - und damit das dafür notwendige Niederwerfen: von den Griechen seit den Perserkriegen verabscheut als Zeichen göttlicher Verehrung für einen Menschen.
Ob heutzutage in der römischen Kirche die Proskynese, liturgisch verlangt am Karfreitag vom Altardienst und bei der Priesterweihe von den Weihekandidaten, mit dem Küssen des Bodens verbunden ist, weiß ich nicht. Im Ritus der östlichen Kirchen findet sie regelmäßig in der Großen Fastenzeit statt: in Verbindung mit dem sog. Gebet Ephräms des Syrers („Herr und Gebieter meines Lebens…“), nach dessen drei Versen man sich jeweils zu Boden wirft (und mancherorts dabei den Boden küsst).

Genauso verhält es sich mit dem griech.
latreia“, „Anbetung“, die ausschließlich
dem Gott gilt,

Ganz genauso wohl nicht, denn latreia und die etymologisch verwandten Wörter meinen ursprünglich, im klassischen Griechisch dann beschränkt auf den Sprachgebrauch der Dichter, den Dienst gegen Lohn; erst die christlichen Autoren fokussieren diese Wörter ausschließlich auf den Gottes-Dienst.

latreia“ heißt u.a. „Sklavin“.

Da hätte ich eine gute Gelegenheit, etwas dazuzulernen, wenn du mir die Belegstelle nennen würdest. Ich halte das sonst eher für eine Herleitung vom Adj. latrios/a/on.

Die
zugehörigen Wörter aber sind nicht etymologisch, sondern nur
im Kontext bzw. per definitionem eindeutig.

Da wären wir wieder bei der Anbetung.
Gruß!
Hannes

Hallo,

man betet nicht zu den Verstorbenen, sondern für sie, bzw. deren Seelenheil.

Auch ein Gedenken der Verstorbenen ist nicht „zu“ ihnen zu beten.

Gerhard