Das Gefühl kennt jeder. Man trainiert begeistert im Fitnessstudio, und
erst am nächsten, manchmal sogar erst am übernächsten Tag kommt die
Rechnung. Die Muskeln schmerzen. Der Muskelkater hat zugeschlagen. In der
Wissenschaft gab es unterschiedliche Überlegungen, was diesen Schmerz
auslöst, so Professor Elke Zimmermann, Sportmedizinerin an der
Universität Bielefeld. Eine Vorstellung war, dass das Gewebe übersäuert war.
Eine Theorie, die sich, so die Professorin, als falsch erwiesen hat: „Ein
400 Meter-Hürdenläufer, das ist sicherlich ne Situation, in der die
Muskulatur objektiv sehr stark übersäuert, also einen niedrigen pH-Wert
erreicht - und trotzdem, die Athleten entwickeln keinen Muskelkater. Der
Muskelkater tritt immer dann auf, wenn ein Muskel exzentrisch wird.
Exzentrisch beansprucht, das heißt, der Muskel versucht, Kraft zu
entwickeln, ein Gelenk z.B. zu beugen oder ein Gelenk zu strecken, er muss also
Kraft entwickeln und die Widerstände, die er zu überwinden hat,
übersteigen seine Kraftmöglichkeiten. Eine klassische Situation als Beispiel:
Wenn Sie von einem Hocker auf den Boden springen, dann werden Sie
versuchen, die Muskeln so anzuspannen, dass sie nicht gleich ganz
durchschlagen, sondern mit einem bisschen Anbeugen der Knie das Gewicht abfangen
können. Dieses Abfangen, das ist ne exzentrische Belastungssituation.“
Exzentrische Belastungen gibt es auch beim bergab gehen, beim Treppen
hinunter gehen, beim Laufen oder bei bestimmten gymnastischen Übungen.
Wenn man diese Bewegungen übertreibt oder sie lange nicht gemacht hat,
kann es zu Muskelkater kommen. Innerhalb der Muskelfaser gibt es
Anzeichen dafür, dass die kontraktierenden Elemente, die also für die
Kraftentwicklung des Muskels verantwortlichen Eiweißstrukturen, Veränderungen
erfahren haben. Und in dem Rahmen kommt es dazu, dass diese Muskelfaser
dann nicht vernünftig arbeiten kann. Bei Muskelkater sind also die
Eiweißstrukturen innerhalb der Muskelfaser verletzt, jene Strukturen, die
verantwortlich sind für die Kraft, die ein Muskel entwickeln kann. Man
spricht auch von feinen Rissen in der Muskelfaser. Und die müssen sich
erst wieder regenerieren. Wirklich bedrohlich ist Muskelkater deshalb
nicht. Trotzdem ist es nicht klug, sich den Katzenjammer zu holen, denn
man kann nicht effektiv weiter trainieren, fängt nachher wieder von
vorne an.
Gegen den Muskelkater hilft alles, was die Versorgungssituation in
diesem Muskel begünstigt, so Professor Zimmermann: „Der Muskel muss
Reparaturarbeiten leisten innerhalb der einzelnen Muskelzellen, und dazu
braucht er Nährstoffe, und es muss sichergestellt werden, dass er mit
Flüssigkeit und mit Sauerstoff versorgt wird. Viel trinken, Obst und Gemüse
essen hilft, Wärme tut meistens auch gut. Und wenn möglich, sollte man
die betroffenen Muskeln bewegen. Natürlich in ganz geringer Intensität.“
Am besten wäre es allerdings, Muskelkater von vorneherein zu vermeiden:
Dabei hilft es, ungewohnte Bewegungen zunächst zeitlich zu begrenzen
und nur ganz langsam das Training zu steigern, regelmäßig zu trainieren,
sich vernünftig zu ernähren, auf den Vitaminhaushalt, die
Elektrolytversorgung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.