Beginnen wir bei den grundsätzlichen Voraussetzungen: Damit der Nagel
zunächst einmal überhaupt in die Wand hinein geschlagen werden kann,
muss das Material des Nagels härter sein, als das der Wand. Wer schon
einmal versucht hat, einen Stahlnagel in eine gegossene Betonwand zu
schlagen, weiß, dass das keine selbstverständliche Voraussetzung ist. Auf
seinem Weg in die Wand verformt der Nagel das Mauermaterial. Anders als
beim Bohren holt also der Nagel nicht Material aus der Wand heraus,
sondern er drückt sich den Putz und die Ziegel einfach so zurecht, wie er
sie braucht. Beim Nageln in ein Stück Holz kann man das auch an der
verschobenen Maserung beobachten.
Aus Sicht der Wissenschaft lautet wichtigste Fachbegriff beim
Einschlagen eines Nagels: „duktil“. Man unterscheidet zwischen duktilen und
spröden Werkstoffen. Glas wäre zum Beispiel ein sehr spröder Werkstoff, der
unter der Kraft des Nagels zersplittern würde. „Duktil“ heißt ein
Material, dem man durch Kraft eine neue Form geben kann. „Duktil“ heißt aber
auch, dass ein Material die Form, die man ihm gibt, beibehält. Ein
Stück Blech, das zu einer Autotür verformt wurde, bleibt eine Autotür und
wird nicht wieder zum platten Blech. Und in der Wand bleibt auch dann
ein Loch zurück, wenn man den Nagel wieder herauszieht. Trotzdem übt das
verformte Material Kräfte auf den Nagel aus, die verhindern, dass er
einfach wieder aus dem Loch herausfällt, womit wir zum Kern der Frage
vorstoßen: Auf den Nagel in der Wand wirken Haftreibungskräfte, die
verhindern, dass er aus dem geschlagenen Loch wieder herausfällt. Diese
Haftreibung beruht auf der Rauhigkeit des Nagels und die Rauhigkeit der
Wand, die sich ja genau der Nagelform angepasst hat. Na gut, darauf hätte
man eigentlich auch allein kommen können. Aber manchmal ist man bei
solchen Fragen ja wie vernagelt.