Nein. Denn „Aggression“ und „Wut“ gehören in völlig verschiedene Begriffskategorien:
Das Wort „Aggression“ wird fast immer falsch verwendet, sogar in psychologischen Abhandlungen. „Aggression“ (< lat. aggressio) heißt nämlich „Angriff“, und bezeichnet eine Handlung bzw. eine Wechselwirkung. Aggression ist Gewaltausübung. „Wut“ dagegen bezeichnet einen Zustand. Es wäre also eine Kategorienverwechslung, nach dem Unterschied zu fragen. Ähnlich, wenn man nach dem Unterschied von „Birnbäumen“ und „Äpfeln“ fragen würde.
Was gemeint ist, ist der Unterschied zwischen „Aggressivität“ und „Wut“. Hier ist von zwei Zuständen bzw. Befindlichkeiten die Rede. Und über deren Unterschied läßt sich reden. Am besten zu den zugehörigen Adjektiven „aggressiv“ vs. „wütend“.
Wütend ist z.B. Rumpelstilzchen, bevor und während es sich „mittenentzwei“ reißt.
Aggressiv ist eine Bache, wenn du ihr einen Frischling wegnehmen willst: Sie greift dich an. Aber sie ist es auch, wenn sie daran gehindert ist, z.B. in einem Käfig sitzend. Sie ist bereit, anzugreifen.
„Aggressivität“ ist also die Bereitschaft, anzugreifen, also Aggression auszuüben, auf einen anderen loszugehen. oder auch der Zustand, während ein Lebewesen angreift. Es will verletzen, oder gar töten. Der Wille zu verletzen besteht natürlich auch, wenn der Angriff rein verbal von Mensch zu Mensch erfolgt. Aggressivität ist also objektbezogen. Sie hat ein Objekt, oder sucht sich eines.
„Wut“ dagegen ist ein Zustand, der dem Individuum inhärent ist, ein Affekt. Sie hat zwar einen (meist) externen Auslöser, aber sie ist noch nicht mit einer Handlungsbereitschaft gekoppelt. Erst recht nicht mit einer Handlung. Aber sie kann eine solche in Folge haben. Man kann, weil man wütend ist, z.B. aggressiv werden, oder mit den Zähnen knirschen. Aber Zähnenknirschen oder den Teller in die Hand nehmen (um ihn an die Wand zu schmeißen) ist nicht Wut.
Sofern der Begriff Wut nicht durch psychologische Terminolisierung kastriert wird, lohnt es sich, in die Etymologie bzw, in seine Begriffsgeschichte zu blicken. Grimms DWB ist da hilfreich. „Wut“ (< „wuot“) ist „Raserei; Bessenheit; Erregung/Erregtheit; Wahnsinn“. Vormals auch „Leidenschaft, Begierde“. Man kann „vor Wut“ toben, aber Toben ist nicht Wut, sondern nur eine ihrer Äußerungen.
Gruß
Metapher