von Alk, Haustierchen und Büchern
Hallo.
Auch dies nicht: Die generelle Nutzung von Alkoholika sowie
Tabakwaren entspricht dem gesellschaftlich anerkannten
Verhalten. Diesem wurde mit einer, wenn auch geringen, Menge
Rechnung getragen.
(http://www.zeit.de/kultur/2010-10/debatte-hartz-iv)
Das steht wo? Meinst Du die Aussage des Bier-Botschafters 2010, Volker Kauder?
Wann und in welchem Zusammenhang er das gesagt hat, kann ich irgendwie nicht rauslesen.
Da könnte man ja auch eine repräsentative Umfrage auf dem Oktoberfest durchführen, zur zwingenden Notwendigkeit alkoholischer Getränke für gesellschaftliche Akzeptanz… Das Ergebnis würde eindeutig ausfallen.
Aber Deine Denkweise entspricht dem gegenwärtigen
Diskussionsklima: Er bedient und befeuert das Muster für
den öffentlichen Umgang mit den Transfer-Beziehern. Es hat
sich in unser Denken eingeschlichen: Was für die normalen
Leute gilt, steht denen da unten noch lange nicht zu.
(http://www.zeit.de/kultur/2010-10/debatte-hartz-iv)
Na ja, ein Text voller drastischer Worte, sagt aber dennoch nicht viel aus.
Er stellt eigentlich nur eine Meinung dar.
Aber um den Satz aufzugreifen:
sich in unser Denken eingeschlichen: Was für die normalen
Leute gilt, steht denen da unten noch lange nicht zu.
Das hört sich ja zunächst so furchtbar böse an. Aber man bedenke doch, dass Leute die für ihren Lebensunterhalt durch Arbeit aufkommen, somit für sich selbst, ihre Familie und ihre Kinder Verantwortung übernehmen, nicht unendlich belastet werden können.
Vor allem nicht für Dinge, die rein dem Vergnügen dienen und auf die bestimmte Familien trotz Arbeit manchmal verzichten müssen.
Wenn man alle Unterschiede, die jetzt noch vorhanden sind beseitig, ist niemandem geholfen. Es geht irgendwann der Anreiz verloren.
Kindern tun auch Haustiere gut. Nur ganz ehrlich, notwendig sind sie nicht. Und zur Charakterbildung oder gesellschaftlichen Akzeptanz absolut nicht notwendig. Diese Liste kann man beliebig fortführen.
Wenn man es schafft sich Meerschweinchen, Hunde oder sonstiges zu halten und dabei auf Alkohol und Zigaretten (sind teuer soweit ich weiß) auch nicht verzichten will, wird es irgendwo nunmal knapp. Und dann heißte es, Schulbücher sind zu teuer oder die Klassenfahrt oder, oder, oder…
Das ist nicht die Schuld des Staates. Es liegt an jedem Leistungsempfänger selbst, Prioritäten zu setzen. Wenn einem als Bsp. die Bildung der eigenen Kinder oder gesunde Ernährung wichtig ist, dürfte es zu bewältigen sein, auf absolut nicht notwendige Sucht- oder Genussmittel und Haustierchen zu verzichten, und im Gegenzug Bücher zu kaufen.
Und weißt Du was? Es tut gar nicht weh. Und es gebe auch keine bösen Debatten, wenn mal jeder bei sich selbst anfangen würde.
Leute mit einem Durchschnittsverdienst, die sich ein Haus kaufen, können oft nicht mehr so leben wie zuvor. Das ist nunmal so, hat man ein Haus fällt der Urlaub oft aus. Wenn nicht, super. Alles kann man nicht haben, jedenfalls nicht auf einmal.
Die Denkweise sollten sich manche Sozialleistungsempfänger aneignen. Es bringt mehr sich mit der Situation zu arrangieren und über Besserung der Lage nachzudenken, als auf alten Feindbildern rumzureiten. Das vermittelt auch ein positives Gefühl an Kinder, sofern vorhanden.
Dann hat man auch keine Probleme mit: http://de.wikipedia.org/wiki/Bildungsbenachteiligung…
Wenn man : http://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_%28Psychologi…
sich mit dem mal auseinandersetzt. Sehr interessant.
Gedeihen trotz widriger Umstände ist sehr wohl möglich.
Es gibt noch sehr viel widrigere Umstände, als die derzeit in Deutschland herrschenden.
Und man sollte immer beachten, besonders bei Artikeln wie dem oben, dass das Auftreten und Verhalten der Eltern während der 4 Grundschuljahre mit einfließt. Ich denke, dass das nicht unerheblich für das Weiterkommen oder Scheitern an der höheren Schulform ist. Lehrer haben da meiner Meinung nach etwas mehr Weitblick.
Ausserdem interessant, dass diese Studie heftig kritisiert wird und erhebliche methodische Mängel vorgeworfen werden.
Was mir zum Thema Anspruchsdenken noch aufgefallen ist. Dies ist leider bei vielen sehr ausgeprägt, es gab hier im Forum mal vor einiger Zeit eine Diskussion. Es ging um die Notwendigkeit eines neuen Computers mit Zubehör. Diese Sache wurde vor Gericht ausgefochten. Wäre nett wenn jemand sich erinnert, den Artikel zu verlinken. Ein gebrauchter hätte gereicht. Aber statt zu akzeptierten, wird dann ein Gericht bemüht. Das kostet, Stichwort Prozesskostenhilfe.
Und leider ist das im Moment weit vorherrschende Denkweise. Das eigene Recht wiegt am meisten, dass dafür andere aufkommen wird gerne übersehen.
Viele Grüße und einen schönen Tag.