Geht man auf das Corona-Impfzentrum oder geht man in?

Hallo!

geht man aufs Corona-Impfzentrum oder geht man ins Corona-Impfzentrum?

Danke

Man geht ins oder auch zum Zentrum. Die PrĂ€position ‚auf‘ (im Zusammenhang mit öffentlichen GebĂ€uden) ist aber auch wirklich knifflig :wink:

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Wird aber leider noch u.a. in Funk und Fernsehen gepflegt:
Sie kommen mit auf’s Revier.
Ich muß noch auf’s Amt.

Wenn ich raten mĂŒĂŸte: mit einem Schwerpunkt im sĂŒddeutschen Bereich.

Ach, das ist in Deutschland gar nicht so verbreitet? In Ö sagt man das eigentlich in allen Teilen des Landes. FĂŒr Lernende ist es natĂŒrlich ein Wahnsinn zu unterscheiden, dass man zwar ‚auf die Post‘ aber nicht ‚auf die BĂŒcherei‘ geht


Moin,

Da muss ich doch noch den temporĂ€ren geografischen Artikeltausch mit anfĂŒhren, das gibt allen Beteiligten den endgĂŒltigen Rest :grin:

tagsĂŒber: der Weizen, das Korn
abends: das Weizen, der Korn
(aus dem Netz gefischt)

-Luno

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Hallo,
sind das alles Dachdecker? Was machen die Leute da oben AUF dem Gebaeude? Da ist doch gar keiner. Schornstein gucken ?? Fuer mich als Muttersprachler in deutsch hoert sich „auf“ das Rathaus ebenfalls arg gekuenstelt an, oder vielleicht noch dialekt-gepflegt.

Moin,

Bleib geschmeidig und locker, siehe https://bastiansick.de/kolumnen/zwiebelfisch/als-man-noch-aufs-amt-ging/

-Luno

In Berlin absolut ĂŒblich

  • Kommse ma mit uffs Revier
  • Ich bin noch auf der Arbeit
  • Auf der Post war es heute wieder voll
  • Ich gehe morgen auf ein Konzert
  • den neuen Ausweis gibt’s auf der Meldestelle
  • ich habe mal wieder drei Stunden auf dem Sozialamt gewartet.


 in Berlin 
 sueddeutsch 

bestaerkt mich dabei sowas als DIALEKTE anzusehen.
Rubrik : deutschaehnlich - zum Schmunzeln
.
Jungwissenschaftler kommen von der anderen Seite, die wuerden sagen, was soll das.
Wichtiges ist in Englisch verfasst,
auch von deutschen Wissenschaftlern, manchmal wird es spaeter zusaetzlich in deutsch veroeffentlicht.

Auf Deutsch. Und es wird auf Englisch publiziert, weil das in den meisten Disziplinen die Fachsprache ist. Was wiederum daran liegt, daß Englisch relativ leicht zu lernen ist und in den meisten LĂ€ndern als erste Fremdsprache gelehrt wird.

Ja, das meiste kann man hier (Rheinland) gelegentlich auch hören. Woher kommt diese (eigentlich falsche) Verwendung der PrÀposition nur? Interessantes RÀtsel. Auf einen Gottesdienst ginge man nie, wohl aber auf eine Veranstaltung. Oder das schon gebrachte Beispiel: auf die Post, aber nie auf die BÀckerei.

Moin,

Eine denkbare ErklÀrung wÀre laut https://bastiansick.de/kolumnen/zwiebelfisch/als-man-noch-aufs-amt-ging/

FĂŒr die Verwendung der PrĂ€position »auf« vor Ämtern gibt es eine einfache ErklĂ€rung: Einst ging man aufs Schloss oder auf die Burg, wenn es eine amtliche Sache zu regeln galt. Beim Schloss und bei der Burg ergab sich die PrĂ€position »auf« ganz einfach durch die erhöhte Lage. An die Stelle der Burgen und Schlösser traten irgendwann die Ämter und Gerichte, die mit ihren prĂ€chtigen Fassaden, Zinnen und TĂŒrmchen im Übrigen nicht selten an Schlösser erinnerten. Und da man ja auch »aufs Schloss gehen« sagte, ĂŒbertrug sich der Gebrauch der PrĂ€position auf alle GebĂ€ude, die die Obrigkeit verkörperten: RathĂ€user, Gerichte, Polizeiwachen und PostĂ€mter. In manchem Dorf geht man auch »auf die Gemeinde«, wenn man mit der örtlichen Verwaltung etwas zu regeln hat.

-Luno

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Ach, sehr gut, danke. An den Zwiebelfisch hatte ich nicht gedacht. Und daß viele mit „auf“ beschriebene VorgĂ€nge mit (frĂŒheren) Behörden zu tun hatten, war mir aufgefallen, aber ich kam nicht auf den Zusammenhang. Meine Gedanken reichten nur bis nach Preussen, aber da kamen sie auch nicht weiter.

Wenn man sich auf ein ViertelstĂŒndchen mit Grimm’s Wörterbuch zurĂŒckzieht und es bei „auf“ aufschlĂ€gt, wird klar, dass auf sehr vielseitig ist und nicht nur auf die Bezeichnung des Orts einer Sache beschrĂ€nkt ist.
Ich wĂŒrde daher nicht falsch, sondern „veraltend“ sagen.

Auf dass die Vielseitigkeit deutlicher werde, hier noch ein paar andere aufs:

  • Auf ein Wort!
  • Die Uhr geht auf Zwölf
  • Geht das Fenster auf den Hof oder auf die Straße?
  • Er lag auf den Tod darnieder
  • Der Meister versteht sich auf sein Handwerk

Unsere Altvorderen fĂ€nden ĂŒbrigens auch, dass wir falsch reden. Allerlei „aufs“, die wir heute richtig finden, haben urspĂŒnglich andere PrĂ€positionen verdrĂ€ngt.
Statt „sizan ana stuole“ ist heute das Sitzen auf dem Stuhl ĂŒblich, und aus der Kneipe kommt man auch nicht mehr „an allen vieren“, sondern auf denselben nach Hause.

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Ich will es mal so formulieren: natĂŒrlich hat „auf“ verschiedene Bedeutungen und zwar sehr viele. Auch wenn es natĂŒrlich nicht richtig ist, einer Sprache mit Logik zu kommen, aber die Systematik ist ja schon da: ich gehe zu oder in die GaststĂ€tte (mit unterschiedlicher Bedeutung), ich gehe zur oder in die Schule, ich fahre zu oder in die Tiefgarage, zu oder in den Laden. Einmal Richtungsangabe, einmal prĂ€zise Beschreibung des örtlichen VerhĂ€ltnisses von Subjekt und Objekt (Ziel- bzw. Endzustand: Subjekt befindet sich im Objekt). Genau wie „in“ wird „auf“ bei derartigen Aussagen zur PrĂ€zisierung des örtlichen VerhĂ€ltnisses von Subjekt und Objekt verwendet (Subjekt befindet sich oberhalb oder nahe des höchsten Punktes oder an einem gegenĂŒber dem Sockel erhöhten Punkt des Objekts): ich steige auf den Turm, ich klettere auf den Baum, ich stand auf dem Empire State Building. Genau da ist der logische Bruch zum „ich gehe auf die Post“ - oder eben nicht, wenn man die Herkunft dieses „auf“ berĂŒcksichtigt. Und wie @Penegrin schon schrieb, sind es ja gerade (auch) diese logischen BrĂŒche, die das Erlernen einer fremden so erschweren.

Gruß
C.

und einem zweiten auf Schalke :wink:

Schöne GrĂŒĂŸe

MM

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Wo man tagsĂŒber auf Maloche ist


Und manch einer wohnt sogar „Auf Bach“

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In Vorderösterreich geht das so weit, dass jede Bewegung in Richtung eines Ortes „auf“ heißt. Besonders hĂŒbsch wird das, wenn das Ziel in einem Tal liegt. Im Schussenrieder Bus nach Biberach kann man zum dortigen Michaelismarkt die GesprĂ€chseinleitung hören: „So, fahrscht au uff Bembara naa?“ (= „auf Biberach hinab“)

Schöne GrĂŒĂŸe

MM

Aber demnÀchst spielt man auf Schalke unter der ersten Liga. :grinning:

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