Hallo Idde,
Ist es tatsächlich so abstrus, dass wir unsere Tochter gerne
taufen lassen wollen, ohne dass wir selbst „offiziell“ dieser
Gemeinschaft noch angehören?
kurz und bündig: Ja, ist es. Dasselbe gilt meines Erachtens für die von Dir hier vorgebrachten Argumente. Du selbst bist religionsmündig und triffst für Deine Tochter, die es nicht ist, als Vertreter eine Entscheidung, die Du für Dich selbst verworfen hast. Selbst wenn Deine Tochter sich irgendwann einmal aus eigener Verantwortung heraus für eine Religion entscheiden sollte - was sagt Dir, dass es dann ausgerechnet die christliche wäre und überdies noch ausgerechnet die spezielle christliche Sekte, die Du Dir für eine Taufe ausgekuckt hast?
Meines Erachtens gehört es zur elterlichen Verantwortung, mit Kindern über religiöse Fragen zu sprechen - und zwar dann, wenn bei den Kindern diese Fragen auftauchen. Nach bestem Wissen und Gewissen, ohne Indoktrination aber auch ohne ein Geheimnis aus der persönlichen Haltung zu machen. Besteht dann seitens des Kindes ein Interesse daran, konkrete Erfahrungen mit religiöser Praxis in einer religiösen Gemeinschaft zu machen, steht dem eine fehlende Taufe nun wirklich nicht entgegen.
Das Eingehen auf Fragen religiöser Natur aber von vorneherein an professionelle Glaubenshüter zu delegieren ist schlicht ein Ausweichen vor der elterlichen Verantwortung. Jedenfalls, wenn man persönlich diesen Glaubenshütern offensichtlicht kein sonderliches Vertrauen mehr schenkt und für das eigene Leben auf deren Beistand verzichtet. Sorry, wenn ich das so deutlich sage - aber vielleicht verstehst Du jetzt einige der Reaktionen hier besser.
Empfohlene Lektüre:
http://www.ekd.de/download/TaufeEKD.pdf
- es sollte allerdings nicht verwundern, dass diese Schrift natürlich ‚pro domo‘ spricht und die Praxis der Säuglingstaufe ausdrücklich verteidigt. Mit Argumenten, die ich persönlich ebenfalls für völlig abstrus halte - etwa dies hier:
„Theologisch muss festgehalten werden, dass die Taufe nicht geeignet ist, Ausdruck einer aktiven Antwort des Glaubenden zu sein; sie setzt nicht die Mündigkeit und den Glauben voraus, sondern ruft ihn hervor.“
Freundliche Grüße,
Ralf