Bestimmt, aber…
Hallo Cavalcatore
Auch ich habe einen Jungen mit ADHS, geht sogar deshalb auf eine auf die Kinder spezialisierte Schule.
So einfach haben es sich die Ärzte bei der Diagnose nicht gemacht. Erste Anzeichen deutete schon die Kindergärtnerin (bei uns gehen die Kinder mit 5 in den Kindergarten). Danach wurde Tsunami (sein Internetname) während einem Jahr speziell beobachtet und es wurden Tests im Kindergarten gemacht.
Nach einem weiteren Jahr wurde er in eine Kleinklasse aufgenommen, nach dem er die ersten Monate in einer Regelklasse nicht gut überstanden hatte. Die Kleinklassen absolvieren das erste Schuljahr in zwei Jahren. Danach versuchte man in der zweiten Klasse ihn in einen geregelten Unterricht zu integrieren. Gleichzeitig wurde der Schulpsychologe und ein Kinderarzt hinzugezogen, um das Ganze zu überwachen. Während weiteren 6 Monaten wurde das beobachtet. Als festgestellt wurde, dass er die Leistungsziele nicht erreichen kann, erhielt er zum Test Ritalin. Er hat darauf sehr gut angesprochen und seine Leistung stark erhöht. Leider hatte er auf Grund der schlechten Vornoten nicht den nötigen Notendurchschnitt erreicht, um weiterhin in der Regelschule zu bleiben. Da man ihn aber auch nicht in eine Kleinklasse einweisen wollte, da er dort absolut unterfordert gewesen wäre, entschied man sich für die Spezialschule.
Seither hat er sich auf einem guten Notenniveau gehalten. Vermutlich wird er seine Schullaufbahn dort auch beenden, wenn es auch eine schlechte Ausgangslage für seinen beruflichen Werdegang ist. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.
Was das vermehrte Auftreten der Diagnose ADS/ADHS betrifft, so habe ich den Kinderarzt ebenfalls zur Rede gestellt.
Dieses Phänomen (sorry, ich kann das nicht in der neuen Rechtschreibung schreiben, dass sie so Sch****e aus) ADS/ADHS wird erst seit den '70er Jahren festgestellt. Die Diagnose erst seit den beginnenden '80er. Weil es immer bekannter wird, nehmen Kinderärzte diese Diagnose wohl sehr schnell zur Hilfe, wenn ein Kind schwierig ist. Würde ich heute zur Schule gehen, wäre ich wohl auch ein Ritalinkind.
Ich wurde einfach durch die Schulejahre mitgeschleppt, die ich jeweils mit Ach und Krach bestanden habe. Erst in den letzten 3 Schuljahren machte ich sehr gute Fortschritte. Wohin mich das brachte, siehe VIKA *duck*
Aber „unsere“ Schulzeit war „einfacher“ wenn ich sehe, was die Kids heute so alles lernen müssen. Auch waren unsere Klassen situationsbedingt kleiner, da wir auf dem Land lebten. Heute wird bei uns in der Schulbildung soviel gespart, dass es immer grössere Klassen gibt. Entsprechend sind die Lehrer auch immer mehr überfordert und haben für ein auffälliges Kind nicht die nötige Zeit, es zu unterstützen. In einzelnen Kantonen wurden, ebenfalls aus Kostengründen, die Kleinklassen aufgelöst. Man begründet es mit Integration von lehrnbehinderten Kindern. Dafür erhalten die Lehrer stundenweise einen Heilpädagogen, der sich dann um die verhaltensauffälligen Kinder kümmert. Ob es das bringt, frag ich mich. Denn die Klasse ist immer nur so schnell, wie der schwächste Schüler. Entsprechend frage ich mich dann auch, ob ein Lernziel, wie es der Lehrplan vorschreibt, entsprechend erreicht werden kann.
Gruss
Andreas