Hallo Billi (leichter auszusprechen als बिल्ली),
Weil es einen fundamentalen Unterschied zwischen dem
freiwilligen, gegenseitigen Ausleben der jeweils eigenen
Sexualität und dem Benutzen eines menschlichen Körpers zur
einseitigen Befriedigung gibt.
Dein, und nicht nur Dein, Problem dabei ist, dass Du Deine persönliche Definition von „Würde“ als allgemeingültig ansiehst.
Ich persönlich würde z.B. auch nicht in einem feministischen Pornonfilm mitspielen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_feministischer_Po…
…ich respektiere aber jene Frauen und(!) Männer, die das tun.
Außerdem: Warum ist immer sofort von „Würde“ die Rede, sobald es um sexuelle Dinge geht?
Einvernehmliche Sexualität zwischen Erwachsenen, ob bezahlt oder nicht, ist m.E. niemals „würdelos“. Noch nicht einmal im SM-Bereich, wenn sich z.B. jemand sich freiwillig „zwingen“ lässt, eine schwarze Maske anzuziehen und auf allen Vieren herumzukriechen oder sonst was.
Wie gesagt: Meine Sache wäre das nicht, aber soll man das verbieten, weil es von einigen Leuten als „würdelos“ angesehen wird?
Oder nehmen wir Matrosen: Wie soll ein Matrose mit ein paar
Tagen Landurlaub in irgendeinem Hafen einen ONS, geschweige
denn eine Freundin oder Geliebte finden?
Ja, und so ein Astronaut auf der ISS erst…
Ganz richtig. Auch der Astronaut der ISS wird, sobald er auf die Erde zurückgekehrt ist und sich wieder an die Schwerkraft gewöhnt hat, womöglich eine Prostituierte aufsuchen, wenn er keine Ehefrau oder Partnerin hat.
Würdest Du es ihm verdenken?
Will man wirklich einen Matrosen, der nach sechs Wochen auf
See bei einem kurzen Landurlaub eine Prostituierte aufsucht,
zum „Kriminellen“ erklären?
Auch ein Matrose hat, wie jeder andere Mann auch,
grundsätzlich die Möglichkeit, durch seine Persönlichkeit
Frauen davon zu überzeugen mit ihm eine Beziehung einzugehen
und/oder einvernehmlichen Sex zu haben.
Bei ein paar Tagen Landurlaub? Wie stellst Du Dir das vor? Rate mal, warum gerade Hafenstädte wie Hamburg oder Amsterdam für ihre „Rotlichtszene“ berühmt sind.
Und wenn ihm das nicht gelingt, gibt es immer noch
Selbstbefriedigung - keine Angst, davon verkümmert das
Rückenmark nicht!
Nein, kann aber den Geschlechtsakt mit einem anderen Menschen auf die Dauer nicht ersetzen.
Warum wohl gibt es sogenannte „Sexualbegleiterinnen“ für Behinderte?
http://www.spiegel.de/panorama/leute/sexualbegleiter…
qsxcxxxxxx
http://www.youtube.com/watch?v=JSXNOTPMzDY
Überhaupt: behinderte Freier.
Wenn es um das „Anprangern“ von Freiern geht, geht es ja wohl um nichtbehinderte Freier.
Ich vermute mal, nicht einmal in Schweden würde man es wagen, einen behinderten Freier wegen des Besuchs einer Prostituierten zu bestrafen. Der behinderte Freier kann „hocherhobenen Hauptes“ in ein Bordell gehen, und sich dabei sogar von einem Fernsehteam begleiten lassen, so wie z.B. der Engländer Asta Philpot dies getan hat:
http://en.wikipedia.org/wiki/Asta_Philpot
http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/magazine/7057929.stm
http://filmfernsehen.brash.de/2012/07/12/asta-philpo…
http://www.zdf.de/aspekte/Hasta-la-Vista-23322874.html
Der behinderte Freier ist in dieser speziellen Hinsicht privilegiert, durch seine Behinderung gewissermaßen „geschützt“ - vor den feministischen „Moralapostelinnen“. Und diese Tatsache zeigt: Jenen Frauen in Schweden, Deutschland und sonst wo, die Freier bestrafen wollen, geht es natürlich nicht in erster Linien um den „Schutz der Frauen“ - wenn das so wäre, würden die Feministinnen sich nämlich mit den Prostituierten an einen Tisch setzen und diese fragen : „Was wollt ihr? Was wünscht ihr euch? Was schlagt ihr vor?“
Aber das interessiert jene Feministinnen, die Freier bestrafen wollen, ja überhaupt nicht, sondern diesen Frauen geht es nur darum, den Männern, allerdings, wie gesagt, den nichtbehinderten Freiern, welche ihr Feindbild sind, „in die Suppe zu spucken.“
Oder einen Lastwagenfahrer, der nach mehrwöchiger Fahrt
irgendwo in der südeuropäischen Pampa eine Pause macht? Ist
der zum „Zölibat“ (bzw. zur Masturbation) verurteilt?
Was genau wäre daran so schlimm?
Siehe oben.
Außerdem wird es auch bei Heterosex Abgrenzungsprobleme geben:
Würden z.B. auch Ehen von deutschen Männern mit Frauen aus
Fernost automatisch als „Prostitution“ gewertet werden? Warum?
Weil der Mann älter ist? Weil die Frau aus einem
Drittwelt-Land stammt?
Der Katalogheiratsmarkt ist tatsächlcih ein weiteres
Problemfeld, das imho noch nicht ausreichend bearbeitet ist.
Allerdings bringt die Heirat den nach Deutschland verkauften
Frauen zumindest ein paar Rechte ein.
Also, um mal dieses Klischee aufzugreifen, wenn „Herr Grundwürmer“ zu seiner „Mai Ling“ über einen Katalog gekommen wäre, wäre das zu verurteilen, auch dann, wenn Mai Ling als erwachsene Frau sich autonom selbst entschieden hat, diesen Weg zu gehen? Aber wenn er sie während eines Thailandurlaubes persönlich kennengelernt hätte, dann wäre das o.k.?
Übrigens gibt es auch Sextourismus bei Frauen, worüber sogar die „Emma“ berichtet:
http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2007/emma-das-heft…
Aber das ist aus Sicht jener Feministinnen, die Freier bestrafen wollen, natürlich „ganz was anderes“, nicht wahr?
Noch einmal: Eine Prostituierte lebt nicht ihre eigene
Sexualität aus, sondern stellt lediglich ihren Körper - quasi
als Ware - zur Verfügung.
Du wirfst mir immer wieder vor, ich würde von „den“ Feministinnen sprechen, aber sprichst selber von „den“ Prostituierten? Warum?
Es soll sogar Prostituierte geben, die bei ihrer Arbeit einen Orgasmus erleben:
http://www.bz-berlin.de/archiv/wenn-huren-einen-orga…
Aber selbst jene Prostituierten, die keinen Orgasmus bekommen, können ihre Tätigkeit durchaus gerne ausüben, weil sie Spaß am Sex an sich haben, auch ohne Orgasmus. (Außerdem: Auch Männer kommen ja nicht immer beim Sex zum Orgasmus).
Wieso glaubst Du, dass Deine vorurteilsbeladene „Palmström“-Sicht der Dinge, „dass nicht sein kann, was nicht sein darf“ immer der Realität entspricht?
Der schwedischen Gesetzgebung liegt
zugrunde, dass dies der Menschenwürde widerspricht, auch wenn
es freiwillig geschieht.
Ich weiß zwar nicht genau, wie die Schweden ihr Gesetz konkret begründen. Aber wie ich schon oben schrieb: Einvernehmliche Sexualität ist m.E. niemals würdelos, auch nicht dann, wenn sie bezahlt ist.
Es gibt übrigens auch andere Dinge, die von Gesetzes wegen
verboten sind, auch wenn man sich ganz freiwillig dafür
entscheiden könnte - ich dürfte z.B. auch nicht ganz
freiwillig eine meiner Nieren verkaufen.
Eine Organtransplantation mit einvernehmlichem Sex zu vergleichen ist schon sehr abenteuerlich. (Ok, beim Geschlechtsverkehr wird auch ein bestimmtes „Organ“ gewissermaßen „verpflanzt“, aber eben nur vorübergehend
).
Wenn überhaupt, dann könnte man bezahlten Sex vielleicht(!) mit bezahlter Samenspende von Männern vergleichen:
http://www.samenbank-samenspende.de/geld-verdienen-a…
Und was deinen Manfred Kabiefke (interessant übrigens, dass du
anscheinend davon ausgehst, dass seine übergewichtige, stark
kurzsichtige und als Fleischfachverkäuferin arbeitende
Schwester Erika keine sexuellen Bedürfnisse hat; interessant
auch, dass für dich nur die körperliche Attraktivität zählt)
Alles was Manfred darf, darf Erika selbstverständlich auch. Ich
bin der Letzte, der in Fragen der Sexualität bei Männern und Frauen mit zweierlei Maß misst. Nur sollte das dann umgekehrt bitte auch gelten. Stichwort, wie gesagt, weiblicher Sextourismus:
http://www.srf.ch/player/tv/rundschau/video/weiblich…
Im Übrigen war mein Beispiel mit „Manuel Rodrigues“ und „Manfred Kabiefke“ natürlich ganz bewusst überzeichnet.
angeht: Ja, es hat zwar grundsätzlich jeder das Recht, seine
Sexualität auszuleben, aber es gibt kein Grundrecht auf
sexuelle Erfüllung. Schon gar nicht auf Kosten anderer.
Übrigens auch nicht für Menschen, die dem gängigen
Schönheitsideal entsprechen. ;o)
Stimmt. Es gibt kein „Recht auf Sex“ an sich. Es gibt ein „Recht auf Sex“ ja noch nicht einmal in der Ehe, weshalb ja - endlich - seit 1997 in Deutschland Vergewaltigung auch innerhalb der Ehe strafbar ist. Und das ist auch richtig so.
Es gibt aber sehr wohl ein Recht von zwei (oder, falls gewünscht, ggf. mehr) Erwachsenen, einvernehmlichen Sex zu haben, ohne dass das einen Dritten, insbesondere den Staat, was angeht, egal ob der einvernehmliche Sex nun bezahlt ist oder nicht.
Den entscheidenden Unterschied zwischen Schweden auf der einen
Seite und den Niederlanden und Deutschland bringt der
verlinkte Artikel übrigens sehr schön auf den Punkt:
„Heutzutage wächst ein kleiner Junge in Schweden mit der
Tatsache auf, dass es ein Verbrechen ist Sex zu kaufen.“
In Deutschland wächst man auch damit auf, dass es verboten ist, Cannabis zu rauchen. Meinst Du, das beeindruckt irgendwen?
Ein kleiner Junge in den Niederlanden wächst mit dem Wissen auf,
dass Frauen in Schaufenstern sitzen und wie Massenprodukte
bestellt werden können."
Ich weiß nicht genau, ob der „Red-Light-Distrikt“ in Amsterdam für Minderjährige gesperrt ist wie z.B. die Herbertstraße in Hamburg. Wenn das nicht so ist, sollte das jedenfalls selbstverständlich so sein.
Ansonsten ist es alleine die Angelegenheit jener Frauen, die sich so präsentieren wollen.
Oder aber es würde als „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ eingestuft und deshalb verboten, wie es ja auch verboten ist, nackt auf der Straße herumzulaufen. Auch dafür hätte Verständnis. Dann wäre halt die „öffentliche Nacktheit“ (oder „Halbnacktheit“) das Verbotene, aber nicht die Prostitution an und für sich.
Wie gesagt, Pornografie, auch feministische Pornografie ( http://videos.arte.tv/de/videos/schweden_feministisc… ), ist ja auch nicht an sich verboten, nur das Zugänglichmachen an Minderjährige.
Gruß
Billi
Gruß Jasper