Hallo,
schließlich nicht ausgedacht: In den alten Bundesländern
haben der Auswertung zufolge bereits 15,8 Prozent der
Arbeitslosen eine Fachhochschul- oder Hochschulreife, im Osten
sind es 13,8 Prozent.
da der Anteil mit Hochschul- und Fachhochschulreife in der Gesamtbevölkerung wesentlich höher ist (ich erinnere mich an ~ 40% eines Jahrgangs), ist das eigentlich eher ein Argument für meinen Standpunkt.
Und Weltbild… Naja, Du warst auch schon origineller.
Ich stelle niemanden unter Generalverdacht (von Dir aber
zugegebenermaßen kein schlechter Winkelzug einem gleich einen
Generalverdacht unterzuschieben), aber es ist (im
Gegensatz zu könnte ) nun einmal so, das es Eltern gibt,
die das vom Staat (und damit letztlich von mir) zur Verfügung
gestellte Geld mißbrauchen.
Doch, das tust Du - nur, weil es theoretisch möglich ist, dass
einer das Geld zweckentfremden könnte, sollen alle nicht
eigenverantwortlich über dessen Verwendung entscheiden können.
Die Argumentation bleibt an den Haaren herbeigezogen. Genauso könnte man argumentieren, daß alle Autofahrer unter Generalverdacht stehen, weil es Radaranlagen, Polizisten und Parkuhren gibt.
Sollten auch, weil es theoretisch möglich ist, dass
ARGE-Mitarbeiter Geld unterschlagen (ja, so etwas gibt es:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka…
Oh nein, sollte es tatsächlich so sein, daß es auch unter ARGE-Mitarbeitern, Beamten oder gar Bankangestellten auch gesetzesuntreue Bürger gibt?
Mal ernsthaft: das ist doch kein Argument für irgendetwas, außer daß in Unternehmen, Behörden und auch eben Arbeitsgemeinschaften so etwas wie ein Querschnitt der Bevölkerung zu finden ist.
Und das nicht etwa, weil es Dir um das Wohl der Kinder geht,
sondern weil Du den Eindruck hast, die Bezieher seien Dir
persönlich gegenüber verpflichtet, weil ein nicht messbarer
Bruchteil Deines Geldes bei ihnen ankommen mag.
Jetzt kommen also die Unterstellungen. Nun gut: es geht mir um beides. Darum, daß das Geld an der richtigen Stelle ankommt und darum, daß mein Geld nicht zum Fenster herausgeschmissen wird. Und daß Du von einem „nicht meßbaren Bruchteil“ meines Einkommens sprichts, spricht nicht gerade dafür, daß Du die Bedeutung der Veranstaltung durchschaust.
Für die Ausgaben für Hartz IV habe ich auf die schnelle einen Betrag von rd. 40 Mrd. Euro pro Jahr gefunden; der Gesamtetat für das Ministerium für Arbeit und Soziales - also für die Transferzahlungszentrale - belief sich auf rd. 140 Mrd. Wenn ich das mal spaßeshalber auf die Bevölkerung umrechne, komme ich auf 500 Euro bzw. 1725 Euro pro Person und Jahr. Ich weiß ja nicht, auf welch großem Fuß Du lebst, aber das ist ein durchaus meßbarer Bruchteil meines Einkommens.
Wenn man die Beträge auf die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten umlegt (was an der Realität deutlich näher ist), kommt man sogar bei etwa den dreifachen Beträgen aus.
Achtest Du
auch so sorgsam auf die Verwendung öffentlicher Gelder, wenn
es um andere Zahlungen im Zusammenhang mit stattlichen
Aufgaben geht?
Du wirst es nicht glauben: ja.
Sofern sie ihr eigenes Geld
verballern, soll mir das egal sein, aber ich erwarte, daß das
Geld, das für das Wohlergehen und die Ausbildung der Kinder
gedachte Geld auch dort ankommt.
Warum genau wird dann das Kindergeld nicht per Chipkarte
ausgezahlt?
Keine Ahnung, bin ich Politiker?
Dafür bin ich schon seit Jahren, aber da es schon für
Asylbewerber Anfang der 90er (zumindest hier in der Gegend)
unzumutbar war, mit Gutscheinen einkaufen zu gehen, weil man
ja daran hätte ihren Status erkennen können, habe ich wenig
Hoffnung, daß sich Dein Vorschlag durchsetzt.
Du kannst oder willst vermutlich die Stigmatisierung von
Menschen, die größtenteils völlig unverschuldet in dieser
Lebenssituation sind, nicht erkennen.
Da Du an anderer Stelle Belege einforderst, wirst Du für die Formulierung „größtenteils“ sicherlich auch einen haben. Davon abgesehen: wir reden vom Verteilen des Geldes anderer, arbeitender Menschen. Den Begriff „Stigmatisierung“ hast Du vermutlich aus Gründen der Dramatisierung selber in die Runde geworfen, aber in der Tat halte ich ein gewisses Unwohlsein bei der Inanspruchnahme von Mitteln anderer Leute durchaus für vertretbar.
Ich weiß nicht, inwiefern bzw. wofür ein immenser
Verwaltungsapparat geplant ist.
Nun, solch ein Chipkartensystem wird nicht von hyperaktiven
Feen eingerichtet und betrieben. Es braucht Lesegeräte,
Wartung derselben, Abrechnungs- und Verwaltungssoftware,
Menschen, die all dies bearbeiten … Waährend bei einer
Auszahlung auf das Konto bei der sowieso erfolgenden
Anspruchsberechnung nur festgestellt wird, das der
Kinderbetrag in die Berechnung einfließt - mehr an
Verwaltungsaufwand gibt es in diesem Fall nicht.
Ach so, den „immensen Verwaltungsapparat“ (bitte auch noch einen Beleg für „immens“ liefern) halte ich in der Tat für akzeptabel, wenn er seinen Zweck erfüllt. Ich bin aber auch gerne noch bereit, monatlich einen Zwanni für Sozialarbeiter draufzulegen.
Gruß
Christian